"Ich freue mich auf den Hunger des Teams"

- 21.05.2026
Die Vorbereitungen zur zweiten Saison der ETV Hamburger Volksbank Volleys laufen auf Hochtouren. Bereits vor ein paar Wochen konnte der neue Trainer des Bundesligisten verpflichtet werden. Wir haben uns mit ihm bei seinem ersten Besuch mit ihm getroffen.
ETV: Ist es dein erstes Mal in Hamburg oder warst du schonmal hier?
Jakub: Nein, das ist das erste Mal – gestern und heute. Also ja, erstes Mal.
ETV: Und wie findest du die Stadt? Hattest du schon etwas Zeit, sie zu erkunden?
Jakub: Ein bisschen. Bis jetzt haben wir die Umgebung hier gesehen, also ein bisschen die Stadt rund um das Hotel. Wir waren an einem wirklich schönen Ort essen, mittags und abends. Bisher gefällt es mir sehr gut.
ETV: Und du hast die CU Arena gesehen, die Halle, in der wir alle Spiele spielen werden. Was hältst du davon?
J.: Eine wirklich schöne Halle, sehr groß. Dort herrscht ein sehr professionelles Umfeld. Ich freue mich wirklich darauf, dort zu arbeiten.
ETV: Was hat dich überzeugt, den Job als Headcoach bei den ETV Hamburger Volksbank Volleys anzunehmen?
J.: Was mich am meisten begeistert hat, war das Ziel, das die ETV Volleys haben. Es ist ein langfristiges Projekt und das ist wirklich wichtig. Die Gemeinschaft und der Verein haben ein wirklich großes Potenzial. Und als ich jetzt die Anlagen und das Umfeld mit eigenen Augen gesehen habe, hat mich das nur noch mehr überzeugt.
ETV: Worauf freust du dich bei der Arbeit mit dem Team am meisten?
J.: Der Hunger, den dieses Team hat. Letzte Saison war die erste in der höchsten Liga und ich weiß, dass die Ergebnisse nicht überragend waren. Aber dieses Team hat den Hunger, von Spiel zu Spiel besser zu werden – besonders in der kommenden Saison. Das ist wirklich spannend.
ETV: Und was möchtest du als Erstes verändern oder verbessern?
J.: Für mich sind Struktur und tägliche Arbeit sehr wichtig. Ich denke, die größte Veränderung wird die Intensität des Trainings sein – wie oft wir in der Halle und im Fitnessstudio sein werden und wie konsequent wir täglich arbeiten. Dort beginnt für mich die Entwicklung. Außerdem möchte ich eine bestimmte Atmosphäre und einen gewissen Druck im Training erzeugen und mehr Emotionen hineinbringen. Das wird positiv sein, aber auch eine große Veränderung.
ETV: Welche Art von Volleyball möchtest du spielen lassen?
J.: Ich mag aggressiven Volleyball, vor allem offensiv ausgerichtet. Aber dafür muss man zuerst die Grundlagen beherrschen. Der erste Schritt ist also, sich auf die Basics und den ersten Kontakt zu konzentrieren. Danach können wir schnellen und aggressiven Volleyball aufbauen. Natürlich ist auch eine systematische Verteidigung extrem wichtig – besonders im Frauenvolleyball. Außerdem ist mir der Kampfgeist im Team sehr wichtig, denn der wird uns in schwierigen Spielen helfen. Also: erst die Grundlagen, dann aggressives Spiel und Teamgeist.
ETV: Welche Werte sind dir als Trainer besonders wichtig?
J.: Eigentlich ist es ganz einfach: Ich brauche Spielerinnen, die jeden Tag in die Halle kommen und etwas lernen wollen. Sie müssen offen sein für Neues oder vielleicht andere Ansätze. Emotionen zu zeigen ist ebenfalls wichtig. Und natürlich müssen sie bereit sein, jeden Tag hart zu arbeiten und auch mit Niederlagen umgehen zu können. Wenn diese Grundlagen vorhanden sind, ist vieles möglich.
ETV: Was wird die größte Herausforderung der kommenden Saison?
J.: Ich muss das Niveau der Liga noch besser kennenlernen. Ich habe viele Spiele der letzten Saison gesehen, aber die Teams verändern sich natürlich jedes Jahr. Die Herausforderung wird sein, fokussiert zu bleiben – auch wenn wir Spiele verlieren – und dem Prozess zu vertrauen, auch wenn er anders ist als das, was die Spielerinnen bisher gewohnt waren.
ETV: Wenn wir in einem Jahr wieder hier sitzen: Worauf wärst du stolz?
J.: Vor allem auf die Entwicklung der Spielerinnen – individuell und als Team. Wenn wir den nächsten Schritt machen von dem Punkt, an dem wir jetzt stehen, zu dem Punkt, an dem wir sein können, dann wäre das für mich sehr wichtig. Und ich glaube, dass mit dieser Entwicklung auch die Siege kommen werden.
ETV: Du hast schon viel erlebt in deiner Volleyballkarriere. Wie bist du überhaupt zum Volleyball gekommen?
J.: Ich komme ursprünglich aus der Slowakei, bin aber nach der Schule als Spieler nach Tschechien gezogen. Nach einer Verletzung habe ich angefangen, in Prag zu studieren. Dort begann meine Trainerkarriere eher zufällig: Ein Professor von der Universität war gleichzeitig Trainer und fragte mich, ob ich sein Assistent bei einem Jugendteam in Prag werden möchte. So hat alles angefangen. Danach ging es immer weiter – zuerst Jugendteams, dann Frauenmannschaften und Nationalteams in Tschechien. Ich lerne jedes Jahr unglaublich viel von Spielerinnen und Kollegen und bin immer noch hungrig nach neuen Herausforderungen.
ETV: Wer hat dich auf deinem Weg als Trainer am meisten beeinflusst?
J.: Ich hatte das Glück, von Anfang an mit sehr erfahrenen Trainern zu arbeiten – den besten in Tschechien und der Slowakei. Ich konnte ihre Trainings beobachten und viel lernen. Deshalb gab es nicht nur eine oder zwei Personen, die mich beeinflusst haben. Ich lerne von vielen Menschen um mich herum – Kollegen und Spielerinnen.
ETV: Wie würden dich deine Spielerinnen als Trainer beschreiben?
J.: Im positiven Sinne: hart. Ich erwarte viel und der Druck im Training ist manchmal hoch. Aber ich glaube daran, dass harte Trainings Spiele einfacher machen. Ich denke, sie würden sagen: „Mit Jakub ist es hart in der Halle, aber wir wissen warum. Wir lernen viel und werden besser.“
ETV: Was ist wichtiger: Disziplin oder Kreativität?
J.: Kreativität entsteht aus Disziplin. Für mich kommt Disziplin an erster Stelle. Es muss Regeln im Team geben, an die sich alle halten. Innerhalb dieser Regeln kann man kreativ werden und sich weiterentwickeln.
ETV: Was war bisher dein schönster Volleyballmoment?
J.: Ein besonderer Moment war vor zwei Jahren in Linz nach einer schwierigen Halbfinalserie. Wir hatten verloren und ich war sehr enttäuscht. Dann überraschte mich meine Freundin und kam nach dem Spiel in die Halle. Damals spielten wir in verschiedenen Vereinen und sahen uns nur selten. Das war ein wirklich wichtiger und schöner Moment für mich.
Sportlich gesehen war die Saison in Bratislava mit Slavia besonders schön, als wir sowohl den Pokal als auch die Meisterschaft gewonnen haben. Aber viele meiner schönsten Momente haben gar nicht direkt mit Ergebnissen zu tun – zum Beispiel, wenn ich ehemalige Jugendspielerinnen später in der Nationalmannschaft wiedergetroffen habe.
ETV: Was hilft dir dabei, dich in einer neuen Stadt zuhause zu fühlen?
J.: Ich bin ein einfacher Mensch und brauche nicht viel. Wichtig ist für mich, dass ich eine Arbeit habe, die ich liebe – und das habe ich. Ich brauche gute Menschen um mich herum: Kollegen und Spielerinnen mit ähnlicher Einstellung. Zuhause brauche ich eigentlich nur eine gute Kaffeemaschine. Das ist wirklich wichtig (lacht). Ansonsten bin ich flexibel und unkompliziert.
ETV: Und abgesehen von Kaffee und Volleyball – was sind deine Hobbys?
J.: Ich lese viel. Wenn ich nicht arbeite oder Videos analysiere, lese ich gerne, schaue Filme oder verbringe Zeit mit meiner Freundin. Sie wird nächste Saison in Suhl spielen, also werden wir wieder getrennt sein. Deshalb ist gemeinsame Zeit wichtig. Außerdem mag ich ruhige Umgebungen. Hamburg ist zwar groß, aber ich denke, ich werde dort auch ruhige Orte finden.
ETV: In welcher Weise werden – deiner Meinung nach – Trainer oft falsch verstanden?
J.: Menschen außerhalb des Teams verstehen manchmal Entscheidungen oder Emotionen eines Trainers während oder nach einem Spiel nicht. Aber vieles hängt von Kommunikation ab. Wenn ein Trainer sich normal und respektvoll verhält, sollte vieles nachvollziehbar sein.
ETV: Letzte Saison hatten wir einen Mentalcoach im Team. Wie wichtig ist das Thema mentale Gesundheit für dich?
J.: Sehr wichtig. Der Druck im Sport wird immer größer. Ich hatte selbst einmal einen Mentalcoach im Team, eher aus dem Businessbereich. Das hat damals nicht perfekt funktioniert, aber ich finde das Thema wichtig. Viele meiner Mentoren sagten immer, dass ein Trainer auch ein Mentalcoach sein sollte. Ich glaube, viele Probleme kann man im Team lösen, aber ich habe überhaupt kein Problem damit, Spezialisten einzubinden, wenn die Spielerinnen das möchten und es dem Team hilft.












