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ETV-Stütze Neuwald und ihr „Kniefall“: mit Zuversicht ins neue Jahr

Viele Menschen suchten und fanden rund um Weihnachten Ruhe – sie hätte liebend gerne aufs Nichtstun verzichtet: Chantal Neuwald, Allzweckwaffe der Zweitliga-Basketballerinnen vom ETV Hamburg, ist derzeit durch eine schwere Knieverletzung lange außer Gefecht gesetzt. Sehr lange. Doch die anfängliche Niedergeschlagenheit ist bei der 30-Jährigen längst neuer Zuversicht gewichen.

Knorpelschaden vierten Grades im rechten Knie, Saison vorzeitig beendet – so lautete die niederschmetternde Diagnose nach einem MRT im Oktober 2025. Eine Diagnose, die keine Basketballerin gerne hört, erst recht keine so leidenschaftliche wie Chantal Neuwald, von allen im ETV nur Chauny gerufen. „Ich hatte schon früher mal Probleme, bekam in der Vorbereitung öfters mal ein dickes Knie und konnte vor Schmerzen nicht richtig gehen“, berichtet die Ex-Juniorennationalspielerin. „Jetzt war eine Operation unumgänglich.“

Die fand am 17. Dezember in der bekannten Paracelsus-Klinik Henstedt-Ulzburg statt und wurde durchgeführt von „Knorpel-Guru“ (Neuwald) Dr. Stefan Schneider vom renommierten OrthoCentrum Hamburg. Und es war keine normale OP, sondern eine nach einer neuen Methode. Dabei wird körpereigenes Blutplasma filtriert, mit Knorpelstammzellen gemischt und ins Knie eingespritzt – um neuen Knorpel an der geschädigten Stelle aufzubauen. Bei Neuwald sind es sogar zwei: hinter der Kniescheibe und an der Knie-Innenseite am Oberschenkel.

Sechs Wochen lang muss die langjährige ETV-Kapitänin bei dieser Therapieform mit Gehhilfen jegliche Belastung vermeiden, danach geht es aufs Ergometer. Insgesamt muss eine Basketballpause von neun bis zwölf Monaten eingeplant werden. Ein Umstand, der viel Geduld erfordert.

„Nach der Diagnose war ich natürlich erst mal down. Die OP ist aber sehr gut verlaufen. Ich habe keine Schmerzen und bin wieder guter Dinge, was eine Rückkehr aufs Feld betrifft“, sagt die gebürtige Wuppertalerin, die derzeit auf Familienbesuch in ihrer Heimatstadt weilt. Außer bei ihrer Familie und ihren Teammates findet sie vor allem Halt bei ihrer Freundin Paula Alvarez, die bei den Korbjägerinnen aus dem Herzen Hamburgs als Point Guard Regie führt. Ausgerechnet deren Gala mit neun Dreiern gegen Chemnitz vier Tage vor Heiligabend verpasste Neuwald im Krankenbett – doch weitere gemeinsame Auftritte im Eimsbütteler Trikot sollen unbedingt folgen.

Es wäre dem ETV und Headcoach Sascha Leutloff zu wünschen, denn Neuwald gibt ihrem Team im Normalfall von allem etwas: einige Dreier, erfolgreiche Drives, wichtige Rebounds, schlaue Defense. „Chauny fehlt uns sehr. Ich hoffe, sie wird wieder vollständig gesund und steht uns möglichst bald wieder mit all ihrer Routine zur Verfügung“, so Leutloff.

Bis zum Comeback will die studierte Elektroingenieurin, die in der Offshore-Windenergiebranche arbeitet, ihrer Mannschaft anderweitig helfen. „Anfangs, als ich noch auf einige Auswärtsfahrten mitgereist bin und nicht spielen konnte, hat es mir emotional nicht gutgetan. Aber jetzt möchte ich den anderen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ich denke, ich habe eine recht große Akzeptanz im Team“, so die 1,81 Meter große Flügelspielerin.

Als Beweis dafür darf auch ein Geschenk ihrer Mitspielerinnen gewertet werden: ein E-Piano. „Ich bin kürzlich schon zur Leiterin unseres Teamchors befördert worden. Bald kann ich uns bei unseren Auftritten am Piano begleiten“, schmunzelt Neuwald. Ansonsten helfen einige Harry-Potter-Filme sowie viel Lesen gegen aufkommende Langeweile. Und: „Ich hatte schon vor der OP dank hervorragender Fachleute mit Physiotherapie begonnen. Das ist sehr wichtig für mich, denn es gibt meinen Tagen und Wochen eine Struktur, die ich brauche“, so Neuwald.

Glücklicherweise läuft es für den ETV in der Toyota 2. Damen Basketball-Bundesliga (DBBL) nach anfänglichen Schwierigkeiten auch ohne Leistungsträgerin Chauny in der zweiten Saison recht rund. Mit 6:6 Siegen liegen die Hamburgerinnen auf Rang fünf, zuletzt überzeugten sie mit einem Statement-Sieg beim 81:64 über die ChemCats Chemnitz. „Ich denke, wir können mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden sein. Wir haben gezeigt, dass wir außer den Top-Teams Göttingen, Leverkusen und Osnabrück jeden in der Liga schlagen können“, meint Neuwald. Das soll nach dem angestrebten Klassenerhalt auch in der kommenden Spielzeit so sein – wenn es für die Ex-ETV-Kapitänin wieder mit der Ruhe vorbei ist.

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