ETV-Pressespiegel
Die Hamburger Morgenpost über Indian Balance
Hamburger Morgenpost vom 01. September 2010. Zum Lesen anklicken
Die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung über erfolgreiche Handball
Sommergefühle trotz Regen - 12. August 2010 | Von lz
197 Spiele, 481 Aktive und 1970 Tore. Zahlenspiele beim traditionellen Handballturnier des TSV Alt Duvenstedt. Am vergangenen Wochenende hatte der TSV Alt Duvenstedt eingeladen und Mannschaften aus ganz Norddeutschland waren wieder einmal dem Ruf gefolgt.
Während am Sonnabend die Vorrundenspielen bei bestem Handballwetter über die Bühne gehen konnten, hatten die Veranstalter am Sonntag Pech, denn der letzte Tag der Woche machte seinem Namen keine Ehre. Der Himmel öffnete seine Schleusen und so musste, um der Gesundheit der Spieler willen, das Turnier im Siebenmeterwerfen entschieden werden. "Es war das erste Mal in den letzten zehn Jahren, dass wir aufgrund des Wetter abbrechen mussten", erklärte Pressewart Tim Baginsky. Bei den Frauen war der Eimsbütteler TV aus Hamburg nicht zu schlagen und sicherte sich schon zum vierten Mal den A-Pokal. Im Finale hieß es 4:3 gegen den SV Todesfelde. Dritter wurde zuvor die Zweitvertretung des SV Todesfelde. Im B-Pokal der Damen siegte TuS Gaarden mit 3:2 gegen die HSG Mielkendorf/Molfsee. Hier holte sich der VfL Rethwisch (wA) den dritten Platz.
Auch bei den Herren hieß der Sieger letztendlich ETV. Die Jungs aus Eimsbüttel behielten gegen den VfL Bad Schwartau (mA) mit 7:6 die Oberhand (3. wurde 0815 Duvenstedt). Im Gegensatz zum Damenteam aber war es der erste Titelgewinn der Hamburger in Alt Duvenstedt. Im Endspiel um den B-Pokal war der Champion am Ende das Team von Trinidad und Tobago (3. wurde HSG BAD (ma)) und ließ so zumindest mit seinem Namen einige Sommergefühle aufkommen.
Das Synonym steht für die Truppe vom SC GH Neumünster und so schien am Ende für alle Teilnehmer doch noch irgendwie die Sonne.
Das Eimsbüttler Wochenblatt über die Sportanlage Hoheluft
Die Einweihung der Sportanlage Hoheluft verzögert sich erneut. Am 2. Juni berichtete das Eimsbüttler Wochenblatt:
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Das Hamburger Abendblatt über Kindersport beim ETV
Ganz großer Sport: Eltern-Kind-Turnen im ETVVon Achim Leonie 18. Mai 2010
Einmarsch der Athleten. "Kaaaaliiiiii!", schallt es uns entgegen, kaum dass die Tür zur Halle im Sportzentrum des Eimsbütteler Turnverbands hinter uns zufällt. Das Einlaufen der HSV-Profis ins Stadion ist nichts gegen die Lautstärke und Begeisterung, die uns entgegen - ja - springt. Dabei sind wir spät dran, weil Karla wie immer getrödelt hat. Wir mussten erst unseren Trumpf aus dem Ärmel ziehen: "Wenn du dich nicht beeilst, gehen wir nicht zum Sport." Dooooch! Tränen, und plötzlich ging das Anziehen ganz schnell.
Nun sind wir also wieder mittendrin, wie an fast jedem Wochenende in den vergangenen zwei Jahren. Damals hatte es noch nicht den neumodischen Namen "Weekend-Kids", es hieß schlicht Eltern-Kind-Turnen, und wir kannten niemanden. Später kamen die Freunde dazu, und die brachten wieder ihre Freunde mit, und inzwischen ist die halbe Kita dabei.
Unzählige Sonnabend- und Sonntagvormittage hat uns der ETV gerettet. Wir brachten ein hibbeliges Kind hin und bekamen ein ausgeglichenes zurück, das seinen Bewegungsdrang ausgelebt, seine Freunde getroffen, schlichtweg seinen Spaß gehabt hat.
Nirgendwo sonst lassen sich die Glücksgefühle, die der Sport freisetzt, so authentisch erleben wie bei den Allerkleinsten. Mal ehrlich: Gibt es etwas Schöneres, als im Schlepptau von Mama oder Papa auf dem Rutschauto durch die Halle zu fegen? Als Hand in Hand mit der besten Freundin auf dem Trampolin zu hüpfen? Gibt es einen größeren Stolz als den, wenn man zum ersten Mal freihändig über eine umgedrehte Bank balanciert, ohne herunterzufallen? Zum ersten Mal einen Ball aus der Luft fängt? Die Antwort lautet: nein.
Natürlich gehören auch Rückschläge dazu. Kürzlich ist Karla vom Reck gestürzt, Gesicht voraus. Aber kaum dass die Tränen getrocknet waren, baumelte sie schon wieder an der Stange. Auch das lernt man beim Sport: wieder aufzustehen, wenn man mal hinfällt, die eigenen Ängste zu überwinden, Gefahren und Grenzen realistisch einzuschätzen.
Der Spaß hört auch beim Aufräumen nicht auf. Denn kaum haben die Eltern die Gerätschaften an ihren Platz zurückgebracht, steht die Bimmelbahn zur Abfahrt bereit. Die Bimmelbahn ist der Mattenwagen. Man glaubt kaum, wie viele Kinder auf diesen 1,5 Quadratmetern Platz finden. Unterwegs blockieren allerlei Tiere die Bahnstrecke, und mit allerlei Geblöke, Gebelle und Gebrüll geht es quer durch die Halle. Am Ende wird gemeinsam gesungen: "Alle Leut' gehn jetzt nach Haus."
Alle Leut? Karla denkt nicht daran. Die meisten Kinder sind längst im Freien, da hört man ihre nackten Füße noch immer durch die Halle watscheln. Und ich habe keinen Trumpf mehr, den ich ausspielen könnte. Ich greife zum letzten Mittel: "Tschüs, Karla!" Neiiin! Tränen, plötzlich geht das Anziehen ganz schnell. Ich gebe ihr das Versprechen, dass wir nächste Woche wiederkommen, woran ich mich natürlich halten werde. Alles andere wäre unsportlich.
Lesen Sie außerdem den Artikel darüber, dass Sport die Entwicklung von Kindern fördert.
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Die Welt über Teppich-Curling
Sommervariante des Winter-Kultsports
Von Werner Langmaack 17. April 2010
Als erster Verein in Hamburg bietet der Eimsbütteler TV Teppich-Curling an - Kommunikative Freizeitgestaltung für Familien und Pensionäre.
Der Schnee ist längst von den Hängen getaut, das Eis der Gewässer geschmolzen. Wintersport ade, fürs Erste jedenfalls. Die meisten Menschen sind froh, dass endlich das blaue Band des Frühlings flattert. Es gibt aber auch Leidtragende, etwa solche, die Sportarten betreiben, welche süchtig machen. Dazu zählt - das beteuern zumindest Anhänger dieses Sports - Curling, gern auch als "Eis-Schach" tituliert.
Das Manko einer gut halbjährigen Sommerpause hat Aktivisten in Skandinavien weder gefallen noch ruhen lassen. So erfanden sie die saisonübergreifende Variante "Teppich-Curling", die nun auch in Hamburg angekommen ist. Allerdings wenden sich die Organisatoren zumindest noch nicht an potenzielle Leistungssportler, sondern verstehen sich zunächst nur als Propagandisten einer kommunikativen Freizeitgestaltung für Familien und Pensionäre.
"Außer in unserem Verein wird Teppich-Curling in Hamburg bislang nur in zwei Seniorenresidenzen angeboten", erklärt Andre Schöneberger vom Eimsbütteler TV. Dabei werde es aber bestimmt nicht bleiben, denn in Schweden etwa boome der Sport. Rund 5000 Teppich-Curler sollen dort bereits die vier Kilo schweren Spielsteine über 14 Meter lange und drei Meter breite grüne Filzläufer schieben. Die Begrenzungslinien und die kreisförmige Wertungszone am Ende der Bahn sind mit weißer Farbe aufgebracht.
Es geht darum, den eigenen Stein im Zentrum zu platzieren oder möglichst nah daran. Von innen nach außen gibt es abgestuft Punkte: fünf, drei und einen - ähnlich wie bei einer Schießscheibe also. Mit Ausnahme des ersten Steins, der quasi sakrosankt ist, dürfen die nächsten vom Gegner beliebig weggekickt werden. Das befördert hämische Reaktionen, die denen beim Brettspiel "Mensch ärgere Dich nicht" gleichkommen, wenn man einen Kontrahenten kurz vorm Haus "rausschmeißt". Wer mit allzu viel "Schmackes" den gegnerischen Spielstein vom Teppich schießt, hat nichts davon: Der eigene Stein wird dann zur Strafe eliminiert, der des Gegners an dessen Stelle gesetzt. Das geschieht, um eine allzu aggressive Spielweise zu unterbinden.
Teppich-Curling ist leicht erlernbar, der finanzielle Aufwand gering. Nicht einmal eine spezielle Bekleidung ist erforderlich. Turnschuhe und Trainingsanzug genügen. Ehrgeizlinge und Pedanten polieren wegen des optimalen Gleitvermögens von Zeit zu Zeit die Unterseite des "Eisstocks", der Filzteppich muss zuweilen abgesaugt werden - das war es schon
Erfolgserlebnisse stellen sich rasch ein, denn mit ein bisschen Fingerspitzengefühl bekommt man den Dreh recht schnell heraus. Teppich-Curling schone die Gelenke und belaste den Kreislauf nicht, betont Mentor Schöneberger. Dafür sei der Geselligkeitsfaktor hoch, das Spiel vorzüglich geeignet für Firmenfeste in Kantinen oder auch für Familienfeiern.
Obwohl sich Teppich-Curling zunächst nur an Hobbysportler wendet, möchte Schöneberger Weiterungen nicht ausschließen: "Vergleichskämpfe zwischen verschiedenen Spielgruppen bis hin zu Hamburger Meisterschaften kann ich mir gut vorstellen." Und ETV-Präsident Frank Fechner sieht, wenngleich nur im Scherz, sogar Chancen, dass Teppich-Curling dereinst ins olympische Programm aufrückt: "Wenn die demografische Altersentwicklung so weitergeht wie bisher, wird sich die Frage irgendwann von selbst stellen."
Das Hamburger Abendblatt über Unihockey
ETV spielt um den Einzug ins Unihockey-Finale - 10. April 2010 (hppe)
Die Unihockeymannschaft des ETV Hamburg steht vor dem größten Erfolg in der Vereinsgeschichte: Mit einem Sieg im Bundesliga-Play-off-Halbfinale an diesem Sonnabend gegen die Löwen in Leipzig (15 Uhr/Sporthalle Brüderstraße) könnte sie erstmals ins Play-off-Finale einziehen. Das erste Spiel haben die Hamburger 10:7 gewonnen. Ein mögliches drittes Spiel fände am Sonntag (11.30 Uhr) ebenfalls in Leipzig statt.
Doch daran wollen die ETV-Spielertrainer Anton Sefkow (28) und Leander Stüble (23), die beide zum Kreis der deutschen Nationalmannschaft gehören, gar nicht denken: "Wir sind überzeugt, dass wir uns schon am Sonnabend für das Finale qualifizieren werden." Sefkow begründet dies damit, dass der ETV Hamburg mannschaftlich geschlossener und taktisch disziplinierter auftrete als die Leipziger Löwen. Stüble ergänzt, Torwart Mike Dietz sei stärker als sein Gegenüber und in Defensive und Offensive seien die Leipziger individuell nicht besser besetzt.
Unihockey ist in Deutschland eine relativ junge Sportart. Im Gegensatz zum traditionellen Hockey wird in der Halle und mit einem Kunststoffball mit Löchern gespielt. Der Sport gilt als schnell, laufintensiv und taktisch anspruchsvoll und soll bald in Floorball umbenannt werden, weil eine Verwechslungsgefahr mit Universitätssport besteht.
Die Hamburger, seit der Saison 2005/06 in der Bundesliga, haben sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert.
In dieser Saison spielen drei ausländische Austauschstudenten für den ETV, welche die Spielstärke der Hamburger erheblich erhöht haben. Auf www.floorballmagazin.de wurden sie in einem Artikel "Läufer, Scorer (Torjäger, d. Red.) und Gehirn" des ETV Hamburg genannt. Gemeint sind Radek Kraus (Tschechien), Tipi Koivisto (Finnland) und Toni Westerholm (Finnland). "Die drei sind ein wichtiger Grund, dass wir dieses Jahr erstmals die Play-offs erreicht haben", glaubt Sefkow. Allerdings wird ihr Einsatz auf diese Spielzeit beschränkt bleiben.
Im Finale könnte der UHC Weißenfels (Sachsen-Anhalt) der Gegner sein, der im anderen Play-off-Halbfinale 1:0 gegen Wernigerode führt. Die Weißenfelser haben seit 2003 ein Abonnement auf den deutschen Meistertitel. Dank Läufer, Scorer und Gehirn kann die Vorherrschaft vielleicht gebrochen werden
Die WElt online über ETV-Fechterin Friederike Janshen
Fechterin Janshen lässt noch immer die Säbel rasseln - von Werner Langmaack, 20. Januar 2010
In der offiziellen Rangliste deutscher Säbelfechterinnen liegt Friederike Janshen auf Platz 28.Das klingt unspektakulär und nach fadem Mittelmaß.Doch diese Einschätzung ist falsch. Diese Platzierung ist gleich aus zweierlei Gründen höchst bemerkenswert.
In der offiziellen Rangliste deutscher Säbelfechterinnen liegt Friederike Janshen auf Platz 28. Das klingt unspektakulär und nach fadem Mittelmaß. Doch diese Einschätzung ist falsch. Diese Platzierung ist gleich aus zweierlei Gründen höchst bemerkenswert. Zum einen übt Janshen ihren Sport nicht etwa unter optimalen Bedingungen in einer Hochburg wie Tauberbischofsheim, Bonn oder Heidenheim aus, sondern in der fechterischen Abgeschiedenheit Norddeutschlands. Zum anderen sind fast alle Sportlerinnen, die vor oder Ernsthafte Siegchancen rechnet sich die 49 Jahre alte Friederike Janshen sich demzufolge nicht aus, wenn sie am Wochenende beim nationalen Ranglistenturnier in Koblenz gegen die deutsche Fechtelite antritt. Aber ein Überdauern der Vorrunde traut sie sich durchaus zu. Wie es läuft, wenn danach im K.o.-Modus weitergefochten wird, ist vage: "Ich hoffe, die eine oder andere Konkurrentin ärgern zu können, die in der Rangliste deutlich vor mir steht", kündigt Janshen an.
Das ist ihr in der Vergangenheit schon einige Male gelungen. Überraschende Siege gegen Topathletinnen wie die WM-Teilnehmerin Anna Limbach stehen in der Kampfstatistik der Psychoanalytikerin, die für den Eimsbütteler TV startet. "Ich habe mich in den vergangenen Monaten noch weiterentwickelt, neue Techniken eingeübt", sagt Janshen, die zudem Jugendliche in Lübeck, Lütjensee und Bergedorf trainiert. Sie einiger Zeit hat sie sich auf die Disziplin Säbel spezialisiert, wobei die heutigen Sportgeräte kaum mehr Ähnlichkeit mit jener gebogenen Waffe aufweisen, die einst aus Asien nach Europa kam.
Unter Gleichaltrigen verkörpert Janshen, die im Alter von neun Jahren mit dem Fechten anfing, nicht nur in Deutschland absolute Spitze. Im vorigen Jahr und auch schon 2007 wurde sie Europameisterin in der Altersklasse über 40 Jahre. Jetzt darf sie erstmals bei den Weltmeisterschaften der Ü 50 starten. Das verlockt zu hochfliegenden Plänen.
Die WM der jung gebliebenen Alten findet im September im kroatischen Badeort Porec statt. Die Hamburgerin wird auf Anhieb zu den heißesten Anwärterinnen auf Gold zählen, doch ein Spaziergang wird es keineswegs. Der kämpferische Begriff "Säbelrasseln" passt in die Seniorenszene ausgesprochen gut. Man dürfe nicht denken, dass es sich um eine Art "Herzrhythmus-Gruppe" handele, die zum Spaß ein wenig die Klingen kreuze, sagt Janshen. Power, Ehrgeiz und Konkurrenzkampf seien enorm: "Die Anspannung unter den Aktiven ist höllisch. Wenn man da ein Streichholz in der Halle entzünden würde, bestünde die Gefahr, dass das Gebäude in die Luft fliegt."
Taz online über Blindenjudo beim ETV
Kämpfen im Dunkeln - von Julia König, vom 13. Januar 2010
In Hamburg-Eimsbüttel treffen sich jede Woche blinde und sehgeschädigte Judokas. Manche von ihnen sind Anfänger, manche stehen kurz vor dem schwarzen Gürtel. Ein guter Kämpfer, sagen sie, sieht nicht, was der Gegner macht. Er fühlt es.
Fühlen, was der Gegner macht: Sehbehinderte Judoka trainieren beim Eimsbüttler Turnverband in Hamburg. Foto: Miguel Ferraz
"Mocuso", sagt Sigrid Happ in die Runde und plötzlich wird es fast ganz still. Man hört nur etwas leise Musik aus einem Nebenraum. Um Happ herum knien 13 Jungen und Mädchen, Männer und Frauen auf roten Weichbodenmatten im Kreis. Kurz zuvor unterhielten sie sich aufgeregt über ihre Erlebnisse zwischen Weihnachten und Neujahr. Nun sind sie hochkonzentriert und warten auf das nächste Kommando. "Rej", sagt Happ, die Gruppe beugt sich in Richtung Boden vor. "Angrüßen" nennt man diese Zeremonie beim Judo.
Durch die drei Fenster der Übungshalle des Eimsbütteler Turnverbands (ETV) in Hamburg fällt kein Licht. Es ist Abend und die Sonne ist bereits untergegangen. Neonröhren von der Decke machen den Raum taghell. So wirklich nötig wäre dies aber nicht. Abgesehen von der Trainerin Happ sind alle Teilnehmer blind oder stark sehgeschädigt. Einige von ihnen bereiten sich auf die Internationalen Deutschen Einzelmeisterschaften im Judo für Sehgeschädigte vor, am 30. Januar in Heidelberg ist es soweit.
Der Kurs für sehgeschädigte Judokämpfer wurde in den 1980er Jahren am Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte in Winterhude eingeführt. 1994 übernahm Sigrid Happ den Kurs und verlagerte ihn in die Räume des ETV. "Anfangs war ich noch sehr unsicher beim Fallen", erzählt Barbara Schmidt. Sie gehört zu den ersten, die den Hamburger Kurs besucht haben, und ist seit 20 Jahren dabei. Damals ging sie vor dem Fallen zunächst in die Hocke. Heute lässt sie sich ohne Probleme werfen und zeigt beim Randori - dem Übungskampf im Judo - keinerlei Ängste.
Zum Aufwärmen muss die Gruppe von einer Wand zur gegenüberliegenden laufen. Mal vorwärts, mal rückwärts, mal auf einem Bein hüpfend. Die Wände sind gepolstert. An der Akustik erkennen die Blinden, wo die Wände sind. Gerade Anfänger haben damit aber noch ihre Probleme. Wer unsicher bei der räumlichen Orientierung ist, der erhält Unterstützung von Sigrid Happ oder ihrem Co-Trainer Marcel Rieseler.
Rieseler kann mit Brille, die er beim Randori abnehmen muss, nur noch zehn Prozent sehen. Wenn man ihm bei den Übungen zuschaut, mag man es fast nicht glauben. Gezielt gibt er Hilfestellung, weicht aus und bewegt sich wie selbstverständlich durch den Raum. "Ich bin so auf Sport konzentriert, da kommen die Bewegungen von ganz alleine", sagt er.
Nach einer halben Stunde ist die Gesichtsfarbe bei den meisten rötlich, der Schweiß rinnt. Als nächstes stehen Fallübungen auf dem Programm. Die Gruppe stellt sich im Kreis auf und fällt wie Dominosteine im Uhrzeigersinn um. Barbara Schmidt beugt sich leicht zur rechten Seite und hört, wann ihr Falleinsatz dran ist. Routiniert rollt sie sich nach hinten und fängt den Aufprall durch lautes Schlagen auf den Boden ab.
"Im Prinzip unterscheiden sich die Übungen, die ich mit den Sehgeschädigten mache, kaum vom Training mit Sehenden", sagt Trainerin Happ. "Nur die Sprache ist beschreibender. Ich muss die Bewegung genauer erklären."
In Partnerübungen stellen sich die Sehgeschädigten aufeinander ein, fegen sich gegenseitig die Füße weg. "Es geht viel um Wahrnehmung und Sensibilisierung", sagt Happ. Andre Juhls, der erst seit knapp drei Monaten dabei ist, setzt sich an den Rand und macht eine kurze Pause. "Ich mag nicht geworfen werden", sagt er.
So wie ihm geht es anfangs vielen Sehbehinderten. An der Gürtelfarbe kann man die Bewegungssicherheit der Judoka ablesen. Der von Juhls ist weiß und damit der erste Schülergürtel. Barbara Schmidt trägt einen blauen Gurt und Marcel Rieseler gar den Braunen, der letzte Gürtel vor den schwarzen Meistergürteln.
Im letzten Drittel des Trainings darf endlich richtig gekämpft werden. Rieseler und Schmidt zerren an ihren Anzügen und setzen Fußfeger an. "Ein guter Judoka macht die Bewegungen durch sein Gefühl", sagt Rieseler. "Wenn einer den Wurf kommen sieht, ist es eigentlich schon vorbei." Ein sehender Judoka sei deshalb auch nicht im Vorteil, sagt Happ.
Zum Abschluss des Trainings sitzt die Gruppe wieder im Kreis zusammen. Die Knie am Boden, der Oberkörper aufrecht. "Mocuso", sagt Happ. "Rej." Dann eine kurze Verbeugung. Und Schluss für heute.
Judo für Blinde und Sehbehinderte, 040-39 99 29 49
Das Hamburger Abendblatt zum Weißherbstturnier 22.10.09
Kampf um Finaleinzug – Erfahrung zahlt sich aus
Abenblatt Online erschienen am 21. September 2009.
Von André Otto
Hamburg.
Rund 152 Kinder nahmen allein beim ETV teil. Die Siege und der daraus folgende Finaleinzug teilten sich Neulinge und Erfahrene gleichermaßen.
Das erste Wettkampfwochenende der Kinder-Olympiade haben die Kinder der TopSportVereine erfolgreich absolviert. Die Teilnehmerzahl bleibt am 19. und 20. September im Vergleich zum Vorjahr annähernd konstant, es ist aber ein Trend ersichtlich hin zu mehr Teilnehmern. „Die Kinder-Olympiade hat sich etabliert, man muss den Eltern und Kindern nicht mehr erklären was diese Veranstaltung ist und wofür sie steht“, sagt Kathrin Friedrich, Mitarbeiterin des Eimsbütteler Turnverbands. Im Wettbewerb selbst hatten die Wiederholungstäter die Nase vorn. Kinder, die erneut starteten, schnitten gleich gut, wenn nicht sogar besser ab als vorher – das zeigt der Vergleich der Zeiten: Dauerteilnehmer und Vorjahressieger der Altersklasse 99/00 Joshua Fechner verbesserte beispielsweise seine Zeit aus dem letzen Jahr um eine ganze Sekunde auf 39,5 Sekunden. Weitere Sieger des ETV Hamburg sind Carla Wiese (Jg. 99/00 – Vorjahreszweite), Luca-Tristan Frahm (Jg. 01/02), Sophia Gordeew (Jg. 01/02 – Vorjahressiegerin), Constantin Wiemer (Jg. 03/04), Moira Schede (Jg. 03/04).
Am 4. Oktober steht das Finale auf dem Programm. Der an diesem Wochenende in allen Vereinen gelaufenen Parcours ist der gleiche wie in der Endrunde. Die besten und schnellsten Kinder bekommen nicht nur eine Urkunde sowie eine Medaille, sondern werden anschließend zu einem Talenttest an den Fachbereich Bewegungswissenschaft der Uni Hamburg eingeladen.
Wenn der Mensch seine Ruhe findet

- Foto: André Otto
Abendblatt Online, erschienen am 9. September 2009
Von André Otto
Es war einmal in einem Land vor unserer Zeit, in der Schusswaffen unbekannt waren. Zu dieser Zeit beherrschten Bogenschützen ganze Ländereien.
Das Bogenschießen besitzt eine lange Tradition.
Hamburg. Wir schreiben das 13. Jahrhundert nach Christus. Post und Geld wurde noch per Kutsche von einer zur anderen von Mauern umgebenen Stadt gebracht. Die Wälder galten als unsicher und übersäht mit Räubern und Banditen. Einer dieser Räuber war ganz in grün gekleidet und überfiel reihenweise Geldkutschen. Dieses Geld behielt er aber nicht für sich selbst, nein, er verteilte es unter den Armen. Doch wer war dieser geheimnisvolle Räuber? Wer würde reiche Leute bestehlen, um es unter wildfremden Armen zu verteilen? Der Volksmund nannte ihn den Rächer der Enterbten, den Beschützer von Witwen und Waisen. Er trieb sein Unwesen im berühmt, berüchtigten Sherwood Forest. Beim Aussprechen seines Namens treibt es unseren Kindern Tränen in ihre kleinen Kulleraugen. Die Rede ist von Robin Hood. Er war unumstritten der Beste seines Fachs. Sein ärgster Konkurrent könnte höchstens noch Legolas, der Elf aus Herr der Ringe, sein. Die beiden verbindet eine ganz besondere Leidenschaft. Beide konnten wie keine anderen mit Pfeil und Bogen umgehen. Sie waren schnell mit dem Bogen, flink zu Fuß, und sie waren vor allem leise. Wenn der Gegner das Zischen des Pfeils hörte, war es schon zu spät. Bogenschießen war schlicht eine perfekte Jagdform.
Vom Suchen und Finden der inneren Ruhe
Wir schreiben das 21. Jahrhundert. Die Schusswaffen haben die Vorherrschaft über die Jagd gewonnen. Sie sind schneller, kleiner, leichter und lauter… passend zu unserer heutigen Gesellschaft. Alles muss schnell gehen; keine Zeit für gar nichts mehr. Hardware wird immer kleiner, und in der Bahn und auf den Straßen wird es immer lauter: Laut aufgedrehte Handys sind im Anmarsch. Aber auf einem kleinen Grantplatz hinter einem riesigen Vereinsgebäude (des Eimsbütteler Turnverbands e.V.) bekommt man davon gar nichts mit. Hier besinnt sich ein Dutzend Menschen aller Altersklassen auf die gute alte Kunst des Bogenschießens, die Förderung der Konzentration, das Finden der inneren Ruhe.
http://www.abendblatt.de/sport/article1176127/Bilder-vom-Bogenschiessen.html
Es wird geredet, gelacht, gealbert, aber für zwei Sekunden ist alles still. Man kann sein eigenes Herz schlagen hören. Es herrscht höchste Konzentration, in sich kehren, eins mit sich und der Umwelt werden. Spannung wird im Rücken aufgebaut, langsam durch den Bauch ausgeatmet, der Kopf locker gelassen, die Sehne berührt Kinn und Nasenspitze zu gleichen Teilen, der Ellenbogen kriecht nach hinten und die Sehne wird losgelassen. „Dapflap“, die Lasten des Alltags fliegen dahin und treffen auf die Scheibe mitten ins Gold. Die Anspannung ist verflogen. Es wird wieder geredet. „Meep meep“, das Zeichen für die Schüler, ihre Pfeile zu holen, ertönt. Viele schießen blank wie ihr Vorbild Robin Hood. Beim Zielen wird hierbei kein Visier benutzt, gezielt wird über die Pfeilspitze. Und wieder: „Dapflap“. Der Pfeil verlässt den Bogen. Die Sehne schnellt zurück: „Dap“. Der Pfeil durchbohrt die Scheibe. Jeder auf dem Platz hört ein deutlich akustisch verursachtes „Flap“.
Die Pferde sind los
Geschossen wird meist auf unbewegliche Scheiben. Das ist aber nicht immer der Fall, denn sonst hätte das wenig mit der Jagdform aus dem 13. Jahrhundert zu tun. Es gibt unterschiedliche Turnierarten, bei denen auch gerne auf 3D-Tiere geschossen wird. Dies sind entweder Tiere von der Größe eines Bisons oder einer Schlange. Austragungsorte der Turniere sind unterschiedlicher Natur. Es wird sowohl auf Wiesen als auch im Wald gejagt. Im Wald wird auf bewegliche und unbewegliche Tierabbildungen geschossen. Da zischt schon mal ein Pferd von links nach rechts vorbei. Innerlich 21, 22 zählen, die Flugbahn des Pfeils vorherberechnen und die Sehne loslassen. Diese Jagdform erinnert schon eher an die des 13. Jahrhunderts und ihrer Legende Robin Hood.
Ob die heutige Form des Bogenschießens an die damalige erinnert oder nicht, Vergleich früher vs. heute, Fakt in Bezug auf die heutige Gesellschaft ist: Ruhe bewahren, Abwechslung zum Job suchen, die Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft vergessen und sich zu 100 Prozent auf diese entscheidenden zwei Sekunden bis zum Abflug des Pfeils konzentrieren. Ab dann hast du zu dir selber gefunden. Die sportliche Betätigung muss nicht immer 90 Minuten dauern und das Spielgerät nicht immer rund sein. Das einzige, bei dem man wirklich Beruhigung findet, ist ein Bogen, ein Pfeil, eine Scheibe und einen Schützen, der alle Teilelemente zu einem Ganzen verbindet.
Weitere Informationen zu Bogenschießen und Trainingszeiten unter http://www.etv-hamburg.de/index.php?id=1222 und nähere Informationen wie Bogenarten, Turnierdisziplinen oder ähnlichem unter http://home.arcor-online.de/marc.hackelboerger/hh/bogensport.htm .
Die Welt über die Sparbierplätze (23. April '09)
Die Mopo über die Sparbierplätze (23. April '09)
Das Hamburger Abendblatt über das ETV-Studio (3. März 2009)
Die Welt über die ETV Perlen
erschienen am 15. März 2009, von Werner Langmaack
Früh übt sich, was eine Perle im Wasserball werden will
Beim Eimsbütteler Turnverband trainieren Mädchen zwischen sieben und elf Jahren eine Sportart, die sonst eher von starken Männern ausgeübt wird
In einer Ecke des Hallenbads Budapester Straße hockt Jürgen Schimmelpfennig, Wasserball-Trainer beim Eimsbütteler Turnverband (ETV), vor seinen Schützlingen. Elf Mädchen im Alter von sieben bis elf Jahre lauschen seinen Worten: "Was erwarte ich heute von euch? Ich erwarte, dass ihr versucht, den Ball ins gegnerische Tor zu werfen. Das ist die oberste Regel. Mehr erst mal nicht."
Der Sportpädagoge weiß, dass es keinen Sinn hat, die Kinder mit taktischen Konzepten zu überfordern. Die blutjungen Wassersportlerinnen sollen an diesem Freitag ihre ersten beiden Punktspiele in der Hamburger Mini-Wasserball-Liga absolvieren. Das ist Aufregung genug. Schließlich bilden sie in ihrer Altersgruppe das einzige reine Mädchenteam. Sie tragen einheitlich blaue Badekappen und nennen sich Wasserballperlen. Beim ETV hat diese Sportart Tradition - seit Jahren spielen die Damen des Vereins in der Bundesliga.
Nach Schimmelpfennigs Ansprache nicken alle mit dem Kopf, nur die achtjährige Marlene fragt mit schüchterner Stimme: "Müssen wir nicht auch aufpassen, dass wir keine Tore kriegen?" Für ihren Hinweis erntet sie das Lob des Übungsleiters. Allerdings ist es schwierig, eines der Mädchen dafür zu begeistern, die Rolle der Torhüterin zu übernehmen. "Ins Tor will keine", klagt Co-Trainerin Heike Weik, "das ist bei uns noch schlimmer als bei den Jungs. Bei denen findet sich immer ein Fauler, der es sich hinten bequem machen möchte." Schließlich lässt Marie sich dazu überreden, den Job zwischen den Pfosten zu übernehmen.
Zumindest für die Jüngsten ist Wasserball, streng pädagogisch betrachtet, kein altersgerechter Sport, denn er ist kompliziert auszuüben. Schnelligkeit, Geschicklichkeit im Umgang mit dem Ball, Durchsetzungsvermögen, Wurfkraft und Teamgeist sind gefragt. Das ist für Kinder ein bisschen viel auf einmal. Der Trainer legt den Fokus daher auch weniger auf einen geordneten Spielablauf, sondern darauf, dass die Mädchen spielerisch lernen, sich im Wasser zu bewegen. "Das, was sie jetzt machen, hat mit einem regulären, geordneten Spiel noch nicht allzu viel zu tun", sagt Schimmelpfennig, der seit 25 Jahren Wasserballerinnen trainiert.
Aber immerhin: Dass das Runde ins Eckige muss, das haben die Mädchen schon verstanden. Es verhält sich ähnlich wie in der "Pampers-Liga" des Fußballnachwuchses, wo stets eine riesige Traube von Spielern hinter dem Ball herrennt. Überlegtes Passspiel, Raumaufteilung oder taktische Disziplin sind in diesem Alter unbekannte Größen, Pädagogen würden sagen: unerwünschte Kategorien.
Da einige der Kleinen noch Mühe haben, sich längere Zeit über Wasser zu halten, werden die ersten Übungsspiele in einem Becken ausgetragen, in dem die Spielerinnen noch stehen können. Schimmelpfennig: "Im Spiel fangen die meisten dann von ganz allein an zu schwimmen, weil sie merken, dass sie so schneller sind, als wenn sie sich im anstrengenden Aqua-Jogging-Stil durchs Bassin bewegen."
Die rasch erkennbaren Fortschritte sind es, die die frühere Bundesligaspielerin Heidi Weik begeistern: "Ich finde es faszinierend, mit welcher Geschwindigkeit die Kinder lernen." Schließlich beanspruche der Mensch beim Wasserball weit überdurchschnittliche koordinative Fähigkeiten. Als Weik vor 32 Jahren mit dem Sport anfing, lag das Mindestalter noch bei zwölf Jahren. Später wurde es auf neun abgesenkt, heute dürfen schon die Sechsjährigen mitmachen.
Der Name Wasserballperlen fürs Mini-Team hat sich als identitätsstiftend entpuppt. Früher trainierten Jungs und Mädchen im ETV zusammen, heute legen die Mädchen Wert darauf, als Perlen unter sich zu sein. Einmal pro Monat dürfen sie beim Training der Großen aus der ersten Mannschaft ein bisschen mitplanschen und sich was abgucken. Umgekehrt übernehmen Bundesligaspielerinnen Patenschaften für einzelne Talente.
Die unfreiwillige Torhüterin Marie hält bei der Punktspielpremiere gegen die Poseidon-Jungs alles, was zu halten ist. Einmal hat sie Pech: Als sie nach gelungener Abwehr den Ball in den Händen hält und nach einer anspielbaren Mannschaftskameradin sucht, treibt sie versehentlich hinter die Torlinie. Sogleich hat der leicht übereifrige Schiedsrichter den Fauxpas entdeckt und entscheidet auf Tor gegen die Eimsbütteler Mädchen.
Die sind in diesem Match ohnehin überfordert. Einige haben Probleme, sich aufs Spielgeschehen zu konzentrieren und lassen sich von kleinen Ereignissen am Beckenrand ablenken. Andere werfen den Ball noch mit beiden Händen, was nicht regelkonform ist und von dem strengen Unparteiischen sofort mit einem schrillen Ton aus der Trillerpfeife quittiert wird.
Am Ende steht eine 1:8-Niederlage. Anschließend gegen die HTB-Belugas gelingen den Perlen immerhin schon drei Treffer. Sie verlieren aber trotzdem. Doch das ist im Moment unwichtig. Auch an die Wettkampfatmosphäre müssen sich die Mädchen erst gewöhnen. Der Wettbewerb gehöre nun mal elementar zum Sport, Siege ebenso wie Misserfolge, sagt Schimmelpfennig, "und ohne Ziel geht sowieso nichts". Das Ziel des Vereins ist es, ein solides Nachwuchsfundament für jene Mannschaft zu legen, die in der Frauenbundesliga spielt.
Vielleicht tragen Talente aus dem Jugendbereich bald schon dazu bei, die Leistungskurve der Bundesliga-Damen nach oben zu verschwenken. Und sehr zu hoffen ist ferner, dass sich die ETV-Mini-Wasserballerinnen entwickeln wie ihre Namenspaten am Meeresgrund: Erst mit dem Wachstum entfalten Perlen ihre wahre Pracht und ihren wahren Wert.
Das Hamburger Abendblatt über den Club Céronne
erschienen am 13. Dezember 2008, von Achim Leoni
...und immer schön lächeln
Anstrengend wie ein 400-Meter-Lauf- aber bei den Kaisers sieht alles ganz leicht aus
Durch die Glasbausteine dringt fahles Mittagslicht in den Saal. Es ist etwas zu kühl, aber Aleksandra und Jurij Kaiser wischen sich den Schweiß von der Stirn. Sie haben genug für heute, Eva Wartjes noch nicht. "Einmal noch die Samba durchtanzen", ruft die Trainerin. Die jungen Eheleute stöhnen kurz auf, dann nehmen sie Aufstellung und blicken einander herausfordernd an. Als die Musik anhebt, nähert er sich mit zwei, drei eleganten Schritten, ehe sie sich in seine fangbereiten Arme sinken lässt. Was in den folgenden 80 Takten passiert, geht so schnell, dass es vom ungeübten Auge kaum zu erfassen ist. Spielerisch leicht sieht es aus, scheinbar schwerelos schweben die Kaisers über das Parkett des Clubs Céronne im Eimsbütteler Turnverband, und natürlich lächeln sie dazu.
Das Lächeln müsse sie nicht üben, wird Aleksandra Kaiser (22) später sagen, alles andere schon. "Außerdem ist das mit dem Lächeln ein Klischee", findet Jurij Kaiser (27). Selbstverständlich darf es nicht anstrengend aussehen, obwohl es das ist. Ein Turniertanz von eineinhalb bis zwei Minuten belastet den Körper wie ein 400-Meter-Lauf, heißt es. Die Kaisers legen an einem Abend bis zu zehn aufs Parkett, in der Kombination der klassischen Standard- und Lateintänze wurden sie im April norddeutsche Meister. "Aber eigentlich ist Tanzen näher am Showbusiness als am Sport", sagt Trainerin Wartjes: "Es soll vor allem das Publikum begeistern."
Auf etwa 30 Auftritte kommen die Kaisers im Jahr, nicht immer geht es für sie dabei um Ranglistenpunkte, so bei der großen Gala des Hamburger Tanzsportverbands im Hotel Grand Élysée an diesem Sonnabend. Manchmal werden die beiden Studenten auch für Kreuzfahrten gebucht.
Leben können sie von ihrem Sport nicht. "Was wir bei Auftritten und als Tanzlehrer verdienen, stecken wir in den Sport", sagt sie. Die Kleidung entwirft das Paar selbst, die Choreografie gemeinsam mit den drei Trainern, von denen einer in Bremen sitzt. Hin und wieder fahren sie sogar nach Freiburg zum Unterricht. Alles auf eigene Kosten, versteht sich. Sie können nicht anders.
Tanzen sei für sie eine Form, ihre Persönlichkeit auszudrücken, sagt Aleksandra Kaiser: "Ich bin dabei so, wie ich im Leben bin. Ganz natürlich." Deshalb trage sie das Make-up auch nur sparsam auf. Ein bisschen Bräunungscreme müsse sein, ansonsten schminke sie sich nicht mehr, als wenn sie abends ausgehe. Nur dass sie das schon ewig nicht mehr gemacht habe. "Wir sind froh, wenn wir einmal ein Wochenende zum Entspannen haben."
Wer die beiden in Aktion sieht, den erinnert nichts an die manchmal qualvollen Stunden im Tanzkurs. An Gruppenzwang, steife Hüften und die Angst vor dem Fehltritt auf die Pumps der Partnerin. Aber das ist wohl wieder so ein Klischee. "Tanzen gilt heute bei den Jugendlichen als cool, die Kurse sind voll", weiß Wartjes. Jeder zweite Tanzschüler ist unter 30. Neben Gesellschaftstänzen kann man in den 2700 deutschen Tanzschulen heute Streetdance, Salsa und die Choreografien angesagter Musikvideoclips einstudieren.
Der Boom, der von Fernsehsendungen wie "Let's Dance!" befeuert wird, ist in den Vereinen noch nicht durchgeschlagen. 2200 gibt es in Deutschland mit insgesamt hundertmal so vielen Mitgliedern, 26 000 Aktive betreiben Tanzen als Leistungssport, die Zahlen sind seit Jahren stabil.
Bei Jurij Kaiser fing es mit 15 an, damals lebte er noch in Kasachstan: Er sah einem Freund beim Turnier zu, am nächsten Tag meldete er sich an. Aleksandra war 14, als sie in Moskau Tanzen im Sportunterricht kennenlernte. In Deutschland wurde aus den beiden erst ein Liebespaar und vor vier Jahren auch ein Tanzpaar. 2009 könnten sie gemeinsam den Durchbruch in die nationale Spitze schaffen, glaubt die Trainerin.
Früher haben wir uns immer angepasst", sagt Aleksandra Kaiser, während sie ihre hochhackigen Tanzschuhe abstreift und in ein Alltagsmodell schlüpft. "Jetzt haben wir unseren Stil gefunden." Jurij ist schon umgezogen, er hat es eilig. Gleich beginne die nächste Vorlesung, sagt er und lächelt.
Das Hamburger Abendblatt über Dominik Zilian
erschienen am 6. September, von Dirk Steinbach
"Ich bin zwar blind - aber nicht blöd"
Der sehgeschädigte ETV-Kämpfer über den Tunnelblick, Mobbing in der Schule und Betrug beim Augenarzt.
Abendblatt:
Herr Zilian, Judo für Sehgeschädigte, wie funktioniert das?
Dominik Zilian:
Die Kämpfer stehen sich gegenüber, fassen sich an - und dann geht's los. Es gibt unterschiedliche Eingruppierungen, aber bei den Paralympics treten alle gegeneinander an. Also Leute, die gar nichts mehr sehen können auch gegen solche wie mich mit einem Restsehvermögen. Einen Vorteil hat man dadurch eigentlich nicht, ich kämpfe nur nach Gefühl. Der Weltmeister und Paralympicssieger in meiner Gewichtsklasse ist beispielsweise komplett blind.
Abendblatt:
Sie selbst haben noch knapp fünf Prozent Sehvermögen. Wie muss man sich das vorstellen?
Zilian:
Bei mir ist das eine Gesichtsfeldeinschränkung. Ich habe also den Tunnelblick ganz von selbst. In etwa nachvollziehen kann man das, indem man durch eine Küchenrolle guckt und dann mal durch seine Wohnung läuft.
Abendblatt:
Konnten Sie früher besser sehen als heute?
Zilian:
Die Krankheit hatte ich von Geburt an, im Alter von vier Jahren ist sie dann ausgebrochen, und es wird einfach von Jahr zu Jahr schleichend schlechter. Aber damit habe ich mich abgefunden, vom Rumheulen würde es ja auch nicht besser. Natürlich gibt es immer wieder Momente, die frustrierend sind. Ich werden zum Beispiel nie Auto fahren können, Fahrrad fahren konnte ich früher, jetzt nicht mehr.
Abendblatt:
Was sehen Sie denn noch und was nicht?
Zilian
(zeigt auf eine Uhr, die etwa fünf Meter entfernt an der Wand hängt): Es ist schon noch ein bisschen mehr als nur hell und dunkel. Ich sehe, dass da eine Uhr ist, kann aber nicht die Ziffern und die Zeiger erkennen. Alles Grobe kann ich rausfiltern, Details wie Muster auf Ihrer Kleidung nicht. Ich erkenne auch Ihre Augenfarbe nicht, kann nur deuten, wo die Augen sind.
Abendblatt:
Gibt es Heilungs- oder Therapiemöglichkeiten?
Zilian:
In Kuba gibt es beispielsweise etwas. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass es dadurch besser wird, liegt nur bei zehn Prozent. Außerdem soll die Behandlung 16 000 Dollar kosten, die nicht von der Krankenkasse getragen werden. Und selbst habe ich das Geld als Student nicht.
Abendblatt:
Trainieren sie eigentlich mit blinden oder sehenden Leuten?
Zilian:
Mittlerweile nur noch mit normalen. Ich trainiere fünf Mal in der Woche im Verein und im Landesleistungszentrum, dazu kommt noch Kraft- und Ausdauertraining. Angefangen habe ich aber vor acht Jahren in einer Gruppe mit Seh- und Geistigbehinderten, die hauptsächlich aus Leuten aus dem Internat bestand, das ich besucht habe.
Abendblatt:
Hat man sie in dieser Gruppe schon für das Nationalteam entdeckt?
Zilian:
Die Trainerin meinte damals, dass ich es mit Leistungssport versuchen sollte. Aber da hatte ich erst gar keine Lust drauf. Ich hatte immer Angst, in andere Gruppen zu gehen. Wenn du irgendwo neu bist, wirst du ganz anders behandelt. Und wenn die Leute dann auch noch wissen, dass du behindert bist, gehen alle sowieso erstmal auf Abstand. Deshalb sag ich nie, dass ich behindert, sondern stark kurzsichtig bin. Man wird sonst einfach in eine Schublade gesteckt. Ich bin zwar blind - aber nicht blöd. Viele Leute sind trotzdem hilflos, wissen nicht, was sie mit dir anfangen sollen. Da bin ich schon oft enttäuscht worden.
Abendblatt:
Und warum haben Sie doch den Schritt in den Leistungssport gewagt?
Zilian:
Als ich meine erste deutsche Meisterschaft gekämpft habe, habe ich die Jungs von der Nationalmannschaft gesehen, und das hat mich motiviert. Fünf Jahre später hatte ich auch so ein Jäckchen wie sie. Am Anfang habe ich aber überhaupt nichts gerissen, doch dann kam es irgendwann.
Abendblatt:
Jetzt sind sie 22 und wurden kurzfristig für Peking nachnominiert. Haben Sie deshalb Olympia an gleicher Stelle besonders verfolgt?
Zilian:
Gar nicht so sehr. Judo habe ich natürlich ein bisschen geguckt, weiß also, dass Ole Bischof Gold geholt hat und sonst gar keiner. Grundsätzlich interessiert mich aber nicht wirklich, wer irgendwo Weltmeister oder Olympiasieger wird. Meine Bundestrainerin hat mich wegen meiner Wissenslücken sogar schon mal einen Sportanalphabeten genannt.
Abendblatt:
Was reizt Sie dann am Sport?
Zilian:
Mir hat immer die Bewegung gut getan. Früher habe ich auch schon Taekwondo und Karate gemacht, war im Fußballverein. Aber nie, um mich irgendwie zu profilieren. Ich hatte einfach immer Spaß daran, Sport zu machen. Dem Judo habe ich außerdem zu verdanken, dass ich wieder Bezug zum normalen Leben gefunden habe.
Abendblatt:
Wie meinen Sie das?
Zilian:
Ich habe zunächst eine Regelschule besucht und dort schlimme Erfahrungen mit Mobbing und Hänseleien gemacht. Kinder können wirklich grausam sein, das schwächste Glied bleibt zurück. Vor allem die siebte, achte Klasse war grauenhaft. Später bin ich dann aufs Internat für Sehbehinderte gekommen, habe drei Jahre dort verbracht. Wir haben es das Getto genannt. Ich wollte immer auch Kontakt mit anderen Leuten haben. Der Sport hat mir das ermöglicht.
Abendblatt:
Jetzt ermöglicht er Ihnen die Teilnahme an einem Großereignis. Was erwarten Sie von Ihrer Premiere bei den Paralympics?
Zilian:
Ich bin nicht der Typ, der sich groß Gedanken macht, was einen da erwartet. Das richtige Fieber wird bei mir erst kurz vor dem Wettkampf da sein.
Abendblatt:
Kann es passieren, dass Sie auf der Matte plötzlich einem angeblich Blinden gegenüber stehen, der sehen kann?
Zilian:
Man denkt schon manchmal, dass bei den Augen geschummelt wird, sich Leute irgendwie durch den Augenarzttest mogeln. Da gibt es Nationen, bei denen man echt ins Grübeln kommt. Einmal tauchte aus dem Nichts ein Argentinier auf, der sich schon mal anders bewegte. Und wenn der dann aus einer gewissen Entfernung auf sein Handy guckt, kann er mir nicht erzählen, dass er stark sehbehindert ist.
Abendblatt:
Was kann man dagegen tun?
Zilian:
Man muss einfach auf die Ärzte vertrauen. Es wurden auch schon oft genug welche disqualifiziert. Auf der anderen Seite gab es zum Beispiel einen Judoka aus Aserbaidschan, der auch aus dem Nichts zur WM kam und sich für die Paralympics qualifizierte. Der tritt dort dann noch mal an, gewinnt vielleicht eine Medaille und kriegt dafür zuhause ein bisschen Geld - und kommt dann nie wieder. Aber das muss man wohl einfach hinnehmen.
Abendblatt:
Was gibt es für Sie an Geld zu holen?
Zilian:
Wir kriegen nichts. Es gibt ein paar Leute, die Verträge über ihren Stützpunkt haben und so Prämien bekommen. Wenn es bei mir mit der Medaille klappt, mache ich natürlich trotzdem einen Freudensprung. Mein Ziel ist aber wie bei der WM Rang sieben. Dann behalte ich in jedem Fall meine Förderung.
Abendblatt:
Ihre Vorbereitungszeit war relativ knapp.
Zilian:
In den zwei, drei Wochen, seit ich weiß, dass ich dabei bin, konnte man natürlich nicht mehr so viel rausholen. Irgendwie macht es das für mich aber einfacher, ich setze mich nicht so unter Druck. Die Bundestrainerin hat vor kurzem zu mir gesagt: Wenn du's versaust, wird dir keiner böse sein, aber wenn du was reißt, heben sie dich alle in den Himmel. Eigentlich ist es ohnehin ganz einfach: Alles, was über 100 Kilo wiegt, muss ich umhauen.
Das Eimsbütteler Wochenblatt über 10 Jahre Unihockey im ETV
Die Hamburger Morgenpost übder die ETV Kinder-Sport-Schule
Hier können sich Kiddies austoben
von: Laura Kessler
Fast jedes achte Kind in Hamburg ist übergewichtig. Etwa die Hälfte der Kinder in Deutschland haben Haltungsschäden und Defizite in ihrer Motorik. Die Ursachen sind bekannt: zu wenig Bewegung und falsche Ernährung. Den Fitness-Killern Computer, Chips und Co. will der Eimsbütteler Turnverein jetzt mit einem neuen Projekt den Kampf ansagen. Am 1. September startet die neue Kinder-Sport-Schule "KiSS" in Eimsbüttel. Es ist das erste Angebot für fünf- bis zehnjährige Kinder im Innenstadtbereich.
Einen Vorgeschmack auf die neue Schule holt sich an diesem Nachmittag der kleine Felix aus Eppendorf. Der Fünfjährige ist im Gegensatz zu vielen Altersgenossen eine echte Sportskanone. Er kann fast ohne Hilfe auf dem großen Trampolin hüpfen, eine Rolle vorwärts und rückwärts, auf dem Bock aufhocken, auf einer schmalen Bank balancieren und nebenbei noch in die Kamera lächeln. Der kleine Sportfan kommt dieses Jahr in die Schule und wird zusätzlich zwei Mal in der Woche in der Kinder-Sport-Schule trainieren.
Ziel der Schule ist es, Kindern genügend Zeit und Raum für ihren natürlichen Bewegungsdrang zu geben und ihnen spielerisch das sportliche Einmaleins zu vermitteln. Dazu gehören außer grundlegenden Fähigkeiten wie Hüpfen, Werfen, Prellen, Fangen auch die Freude an der Bewegung. "Oft fehlt ihnen die Motivation", sagt die 43-jährige Bewegungstherapeutin Stefanie Liebe. Das liege unter anderem an zu einseitigen Sportangeboten, die oftmals auf die klassischen Sportarten wie Fußball, Judo oder Ballett beschränkt seien. "Diese frühe Spezialisierung frustriert die Kinder meist nach kurzer Zeit", so die Expertin. "Sie wollen beim Spiel verschiedene Rollen ausprobieren." Dazu komme, dass die Anzahl der Sportstunden in der Schule nicht ausreichten, um die Kinder genügend zu fördern. Den Aktionsplan für Bewegung der Bundesregierung hält sie für schwer realisierbar. "Eine Sportstunde täglich, wie soll das umgesetzt werden bei dem derzeitigen Lehrkräftemangel und der Gewichtung des Unterrichts. Als Erstes fällt doch immer der Sportunterricht aus."
Die Kinder-Sport-Schule möchte als Bindeglied zwischen Kindergarten, Familie und Schule helfen, bestehende Defizite auszugleichen. Deshalb ist der Unterricht auf die einzelnen Entwicklungsphasen der Kinder abgestimmt. Es gibt drei Ausbildungsstufen: eine Grund-, eine Mittel- und eine Orientierungsstufe. Trainiert wird zwei Mal in der Woche je eine Stunde. Eins steht immer im Vordergrund, so Stefanie Liebe - der Spaß.
Leider ist der Spaß nicht kostenlos. Stefanie Liebe: "Als Verein können wir ein kostenloses Angebot nicht leisten, obwohl so etwas eigentlich selbstverständlich sein müsste. Deshalb suchen wir Sponsoren." Der Beitrag für ein Kind kostet 35,90 Euro im Monat. Weitere Infos: www.kiss-hamburg.de
Das Hamburger Abendblatt über Softball und Volleyball beim ETV
erschienen am 8. Mai 2008
Sportplatz Hamburg
Neues Spielfeld für die ETV Knights
Das neue Softball-Landesleistungszentrum lockt zehn Tage nach seiner Einweihung die deutschen Topspielerinnen nach Eimsbüttel. Nationaltrainerin Claudia Effenberg (42) bereitet die Auswahl vom 10. bis 14. Mai auf dem Kunstrasenplatz beim ETV vor. Ziel: Teamfindung für die EM im Sommer 2009 in Valencia. Ein Heimspiel haben fünf Spielerinnen des zweimaligen deutschen Meisters und Pokalsiegers ETV Knights: Afsoon Alipour (23), Tina Backhaus (19), Vivian Melzer (31), Valentina Mommer (25) und Michele Veselinovic (31). "Zehn Jahre haben wir auf dieses Zentrum gewartet", sagt Effenberg, die weiter für den ETV spielt"jetzt haben wir perfekte Bedingungen." Der Umbau der Anlage kostete die Stadt 250 00 Euro
Den größten anzunehmenden Unfall werden die Volleyballer in Hamburg vermeiden können, den Absturz in die Drittklassigkeit. Da mit Oliver Schmäschke, Ahmed Yasa, Björn Domroese, Fridolin Lippens und Sebastian Neufeld fünf ehemalige Erstligaspieler der Cowboys ihre Pässe beim ETV (geplanter Etat: rund 25 000 Euro) abgeben werden, kann der Absteiger hoffen, auch künftig in der Zweiten Bundesliga zu schmettern. Unsicher ist, ob das Quintett tatsächlich für den neuen Klub aufschlägt. Nur Yasa wird mit Sicherheit für den ETV antreten, die anderen stehen beruflich vor Veränderungen. Domroese zum Beispiel hatte am Dienstag seinen ersten Arbeitstag als Kotrainer der Erstligafrauen der NA Hamburg.
Ilke Sander, Kapitänin der Rugby-Frauen des FC St. Pauli, hat mit ihrem Team gerade die vierte deutsche Meisterschaft in Folge und die achte insgesamt gefeiert. In ihre Freude mischt sich in diesen Tage ein bisschen Wehmut, weil sie die Einladung zur Nationalmannschaft ausgeschlagen hat. "Man muss eben Prioritäten setzen!", sagt die 29-jährige Sozialpädagogikstudentin, das Studium sei ihr wichtiger. Eine kleine Chance gibt es für sie noch: in den Semesterferien die Teilnahme an der Siebener-Nationalmannschaft. Trotz Sanders Absage wird Meister FC St. Pauli auch bei der 15er-Mannschaft gut vertreten sein: Ninja Duri, Nicola Jörn, Marlena Sang und Marlene Lorenz stehen im Aufgebot für die EM in Amsterdam (15.-25. Mai).
Das Hamburger Abendblatt über Volleyball im ETV
erschienen am 03. April 2008
Sportplatz Hamburg
Es ist noch ein ganz zartes Pflänzchen. Nach dem Desaster um die Volleyball-Männer der Hamburg Cowboys, deren Stammverein Oststeinbeker SV aus finanziellen Gründen nicht mal mehr für die Zweitklassigkeit melden wollte, gibt es bei einigen Hamburger Schmetterklubs den Willen, enger zusammenzuarbeiten. Den Begriff von einem künftigen "Volleyball-Team Hamburg" prägte nun Henning Wulff, Trainer der abstiegsbedrohten Zweitliga-Männer des Eimsbütteler TV. Sein Klub würde gerne das Spielrecht der Cowboys für die Zweite Liga übernehmen, um den Startplatz für Hamburg abzusichern. Voraussetzung: Mindestens vier der abgestiegenen Erstligaspieler müssten bis Ende April mitwechseln. Einer Einladung Wulffs in die ETV-Geschäftsstelle folgten Cowboys-Mannschaftsführer Björn Domroese, Annahmespieler Fridolin Lippens, Mittelblocker Ahmet Yasa, Diagonalangreifer Oliver Schmäschke und Zuspieler Sebastian Neufeld. Vom Hamburger Volleyball-Verband waren Geschäftsführer Ullrich Kahl und Trainer André Bolten vor Ort. Cowboys-Coach Bernd Schlesinger musste krankheitsbedingt absagen. Ganz uninteressiert scheint er an dem Projekt aber nicht zu sein, mit dem in den nächsten Jahren nachrückenden Talenten aus Oststeinbek, des ETV und des 1. VC Norderstedt eine Leistungssportperspektive erhalten werden soll. "In anderthalb Wochen wollen die Spieler ihre Entscheidung fällen, ob sie kommen", erklärte Henning Wulff.
Das Hamburger Abendblatt über die sozialen Talente 2007
erschienen am 27.02.2007
U 18 Hamburgs Talente des Jahres
Sie sind die sozialen Talente 2007
Nicolas Tobis kann sich noch an die traurige Nachricht aus dem Sommer 2006 erinnern. Gemeinsam mit Julian "Juli" Harnack hatte er Hockey beim Uhlenhorster HC gespielt, sie waren gute Freunde gewesen. Doch nun war Julian tot. Ein knappes Jahr nach der schrecklichen Diagnose Gehirntumor hatte er den Kampf gegen den Krebs verloren. "Zu erfahren, dass Juli gestorben war, war ein Schock", erzählt der heute 16-jährige Nicolas.
So wie ihm ging es allen Mitspielern. Gegen den Tod ihres Freundes konnten sie wie die Ärzte nichts mehr tun, doch einfach abfinden wollten sie sich mit dem Schicksalsschlag auch nicht. Inspiriert von Xavier Naidoos WM-Ballade rief die männliche und weibliche Jugend B kurze Zeit später eine Spendenaktion mit dem Titel "Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen" ins Leben.
Kern des Projekts, mit dem sie eine bleibende Erinnerung an "Juli" schaffen und gleichzeitig andere Menschen vor dem gleichen Schicksal bewahren wollten, war die Ausrichtung des ersten Juli-Harnack-Turniers im Januar 2007, an dem acht Nachwuchsteams teilnahmen. Drumherum wurde unterstützt von Trainern, Betreuern und anderen Vereinsmitgliedern fleißig Geld eingetrieben. "Wir sind mit der Spendenbüchse durch die Innenstadt gelaufen, haben in Geschäften nach Gewinnen für unsere Tombola gefragt", erinnert sich Nicolas. Am Ende kamen 15 216 Euro für die Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg e.V. zusammen - der Lohn für einen beispielhaften Einsatz der jungen Hockey-Spieler, für den sie jetzt als soziale Talente 2007 ausgezeichnet wuren. Mittlerweile hat schon die zweite Auflage des Turniers stattgefunden, das sich als Formtest für die deutschen Hallenmeisterschaften etablieren soll. "Mit den Jahren werden die nachrückenden Spieler den Bezug zu Juli verlieren, was man ja auch verstehen kann", meint Nicolas. "Aber das Turnier als Erinnerung bleibt."
Es ist mal wieder eine kleine Deutschland-Reise, die Mathis Wittneben an diesem Wochenende auf sich nimmt. Am Sonnabend tritt der 18-Jährige mit der 1. Mannschaft des Eimsbütteler TV in der Unihockey-Bundesliga in Chemnitz an, am Sonntag geht es als Trainer mit dem U-17-Team nach Oldenburg. Dass da wenig Zeit für andere Dinge bleibt, steht außer Frage. Nur gut, dass Freundin Lena in der Damenmannschaft des ETV spielt und deshalb Verständnis für Mathis Engagement neben der Schule und der eigenen sportlichen Betätigung aufbringt.
Beim Unihockey handelt es sich um eine dem Hallen- und Eishockey ähnliche dynamische Trendsportart, die Mathis sofort Spaß brachte, als er das Spiel mit dem nur 23 Gramm schweren Ball vor sechs Jahren das erste Mal ausprobierte. "Jetzt habe ich den Ehrgeiz, dass mehr Leute meinen Sport kennenlernen, dass Unihockey auch durch Erfolge bekannter wird." Und dafür gibt der Junge aus Hoheluft-West wirklich alles. Er trainiert nämlich nicht nur die U-19- und U-17-Teams des ETV. Zwei Jahre war er gleichzeitig Jugendwart der Abteilung, nun darf er sich sogar "Sportlicher Leiter Jugend" nennen, kümmert sich also auch um das Management der Jugendteams. Ab sofort wird der U-19-Nationalspieler, der mit dem deutschen Team kürzlich knapp den Aufstieg in die A-Gruppe verpasste, zudem den Job des Nordauswahltrainers übernehmen.
Trotz seines jungen Alters hat er für die Nachwuchsspieler eine Vorbildfunktion. "Sie wissen, dass ich im Nationalteam und in der Bundesliga spiele und dass sie das vielleicht auch schaffen können", sagt Mathis. Das einzige, was ihn am Unihockey stört, ist, dass manche Spiele mit denen der Zweitliga-Fußballer des FC St. Pauli kollidieren und er deshalb seine Dauerkarte fürs Millerntor-Stadion nicht wahrnehmen kann. An diesem Wochenende spielen die Kiezkicker zum Glück auswärts - in Offenbach.
dst
Das Hamburger Abendblatt über das Judo-Nachwuchsprogramm im ETV
erschienen am 22.02.2008
Im Land des Lächelns
Helmut Behnke (55)stand in seinem weißen Judo-Anzug, gehalten von einem schwarzen Gurt, barfuß am Mattenrand und lächelte. Und dieses Lächeln strahlte eine tiefe innere Zufriedenheit aus. Mehr als hundert Kinder zwischen acht und elf Jahren waren an diesem Nachmittag in die Sporthalle Hamburg gekommen, um zwei Stunden lang mit Olympiasieger Frank Wieneke (46) zu trainieren. Da darf sich der Lehrwart des Hamburger Judo-Verbandes (HJV) zu Recht freuen.
Insgesamt mehr als 70 Schulklassen nahmen in den vergangenen Tagen am Nachwuchsprogramm des HJV vor dem Otto-World-Cup teil, der heute mit Weltmeistern und Olympiasiegern in Alsterdorf beginnt. Die Aktionen wurden unterstützt vom gemeinnützigen Abendblatt-Verein "Kinder helfen Kindern" und der Abendblatt-Jugendsport-Initiative "...und los!"
Respekt, Selbstbeherrschung, Fairness, sich raufen, ohne andere zu gefährden - dafür steht die japanische Kampfsportart Judo. Und nach dem üblichen Begrüßungsritual, einer gegenseitigen Verbeugung von Schülern und Lehrern, ging die Rangelei richtig los. Sehr zur Freude von Dzemali (10), Chervin (11), Giulia (9), Blerina (9) und all den anderen, die mit Geschick und Technik nachmachten, was Wieneke und der Hamburger Nationalmannschaftskämpfer Sascha Costa (ETV) demonstrierten.
"Judo", sagt Helmut Behnke, "stärkt das Selbstbewusstsein. Und wer selbstsicher auftritt, wird nicht zum Opfer." Ganz so weit dachte Dzemali nicht. Er hatte einfach Spaß. Und was gefällt ihm beim Judo am besten? "Die Würfe!", sagte der Elfjährige, griff seinem Kollegen an die Schulter und grinste schelmisch.
Der Deutsche Judobund hofft auf vier Olympia-Startplätze für die Männer und sieben für die Frauen. Ole Bischof (81 kg, Reutlingen), Michael Pinske (90 kg, Berlin) und Andreas Tölzer (+100 kg) gelten vor ihrem Start beim Otto-World-Cup, von heute bis Sonntag (Vorkämpfe ab 10 Uhr, Finale ab 16 Uhr), als qualifiziert.
Mit einer guten Platzierung in Hamburg könnte Michael Jurack (100 kg, Abensberg) die Reise nach Peking buchen. Bei den Frauen haben Yvonne Bönisch (57 kg), Anna von Harnier (63 kg, Böblingen), Annett Böhm (70 kg) und Sandra Köppen-Zuckschwerdt (+75 kg, Brandenburg) das Ticket fast sicher, Michaela Baschin (48 kg, Backnang), Romy Tarangul (52 kg, Frankfurt/Oder) sowie Heide Wollert (78 kg, Halle) hoffen noch. (masch/rg)
Das Hamburger Abendblatt über die TopSportVereine - der ETV ist dabei
Erschienen am 11. Dezember 2007
Hamburg Zwei Jahre nach ihrem Zusammenschluss haben die 22 TopSportVereine der Metropolregion Hamburg, vom Altonaer TV bis VfL Pinneberg, einen Trägerverein gegründet. Die Versammlung beschloss, im Herbst 2008 die "3. Hamburger Kinder-Olympiade" zu veranstalten. Ein weiteres Ziel ist die Einrichtung von Talentaufbaugruppen in den Vereinen, jeweils in Kooperation mit der Uni und dem Hamburger Sportbund.
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Das Eimsbütteler Wochenblatt über die Heimat der ETV-Judoka
erschienen am 6. Dezember 2007
Neue Räume für Eimsbüttels Top-Judokas vom ETV.
Die Judokas vom ETV haben eine neue Heimat. Nach einem Jahr Renovierungsarbeiten sind die Räume für Norddeutschlands größte Judo-Abteilung fertig gestellt.
„Unsere alte Halle haben wir Pumakäfig genannt, weil die Luft so schlecht war\", so Helmut Behnke. Der ETV-Judo-Abteilungsleiter ist erleichtert und erwartet für seine 680 Judokas künftig bessere Bedingungen. \"Wir haben mit den beiden neuen Judo-Dojos jetzt einen ganz anderen Standard – das wird uns sicher einen zusätzlichen Schub geben.\" Die Gesamtinvestitionen für die Modernisierung der ETV Hallen betragen rund 130.000 Euro. Hamburger Sportbund und der Bezirk Eimsbüttel haben sich zu großen Teilen an den Kosten beteiligt. Anlässlich der Einweihung kam der Vorsitzende der Bezirksversammlung, Wolfgang Böttcher, mit einer Delegation in ETV-Dojo. Eimsbüttels Top-Judokas Sascha Ciosta, Malte Geppert sowie der sehbehinderte WM-Teilnehmer Dominik ZIlian warteten mit einer Judo-Show auf und weihten die neuen Räume ein. (tek)
Hamburger Abendblatt über die ETV Baskeballer
erschienen im Hamburger Abendblatt am 29. November 2007
Basketball: ETV will in die Zweite Liga
Sportplatz Hamburg
Die Hallen an der Bundesstraße 96 sind einhundert Jahre alt. Sie sind die Heimstatt des Eimsbütteler Turnverbandes (ETV) - und ein Sanierungsfall. Jetzt wurden zwei Judo- und eine Gymnastikhalle, insgesamt 800 Quadratmeter Sportflächen, für 130 000 Euro renoviert. Der Verein (10 500 Mitglieder) musste nur die Hälfte dazubezahlen. Energiesparfenster ersetzen jetzt Fenster aus Glasbausteinen, das verringert zudem die jährlichen Heizkosten um rund 2400 Euro. Durch neue Leuchtmittel und elektronische Vorschaltgeräte ergeben sich Stromkosteneinsparungen von rund 1200 Euro. Das Beispiel macht Schule. 17 Hamburger Vereine haben seit Juli insgesamt 320 000 Euro Fördermittel aus dem Topf "Sportklima" beim Hamburger Sportbund (HSB) nachgefragt. Die Stadt stellt dem HSB bis 2010 jeweils 500 000 Euro jährlich für Energiesparmaßnahmen bereit. Dazu kommen noch Mittel aus den Bezirken. Seinen Anteil von rund 75 000 Euro finanzierte der ETV durch Anhebung der Mitgliedsbeiträge um vier bis 13 Prozent. "Wir haben mit einigen Austritten gerechnet, das Gegenteil trat ein. Seit Januar haben wir einen Zuwachs von 500 Mitgliedern", sagt ETV-Geschäftsführer Frank Fechner, "die Leute wollen Komfort".
Anfang der 1950er-Jahre entschied der Vorstand des ETV, keinen Leistungssport mehr zu unterstützen. Der Grund: Die Fußball-Oberligamannschaft hatte die Saison mit 50 000 Mark Minus abgeschlossen. Der Verein stand vor der Pleite. Der Beschluss gilt bis heute. Jetzt soll er überdacht werden. Eine Hamburger Agentur sucht für eine Zweitliga-Basketballmannschaft aus Bremen, die von der Saison 2008/09 an in der Sporthalle Hamburg spielen soll, einen Hamburger Verein samt sportlichem Unterbau. Der ETV ist interessiert - "wenn wir kein finanzielles Risiko tragen müssen", wie Geschäftsführer Fechner sagt.
Das Hamburger Abendblatt über ETVer vor verschlossenen Türen

- Foto: A.Ott
Hallen-Panne: Eimsbütteler müssen draußen bleiben
Erschienen am 09.November 2007
rg
HAMBURG -
Seit Monaten schon stehen sie vor verschlossenen Türen, die Sportler des Eimsbüttler Turnverbands (ETV). Und nicht nur sie. Auch die Schüler der Emilie-Wüstenfeld-Schule, der Ida-Ehre-Gesamtschule und der Handelsschule Schlankreye sowie zahlreiche Betriebssportler dürfen die Dreifelderhalle an der Gustav-Falke-Straße 21 seit einem halben Jahr nicht mehr betreten. Der Grund: "Einsturzgefahr". Bei einer routinemäßigen Überprüfung der Dachbinder war im Mai erheblicher Sanierungsbedarf festgestellt worden. Gehandelt wurde danach nur zögerlich.
Folge: Die Schulen mussten beim Sportunterricht improvisieren, beim ETV (23 Abteilungen, etwa 11 000 Mitglieder) verloren die Handballer fast ihre sämtlichen Trainingszeiten, die Faustballer verzichteten zugunsten der Zweitliga-Volleyballer auf ihre, andere Gruppen konnten ihre Übungsprogramme nur eingeschränkt absolvieren. Die ETV-eigenen Anlagen (Bundesstraße 96) sind seit dem Ausfall der Halle Gustav-Falke-Straße hoffnungslos überbucht.
Vor drei Wochen nun haben die Reparaturarbeiten begonnen; allerdings höchst schleppend, wie ETV-Geschäftsführer Frank Fechner moniert. Voraussichtlich Mitte Januar soll die Halle wieder betriebsbereit sein, teilte Alexander Luckow, der Sprecher der zuständigen Behörde für Bildung und Sport (BBS), auf Anfrage des Abendblatts mit. Kosten, inklusive des Einbaus eines Prallschutzes: fast 500 000 Euro.
"Wenn bei den ohnehin knappen Hamburger Hallenkapazitäten eine Eilbedürftigkeit geboten gewesen wäre - dann bei diesem Objekt, das von morgens bis abends genutzt wird", sagt Arne Klindt, Vizepräsident des Hamburger Sportbundes (HSB) für den Bereich Infrastruktur. Ursprünglich hatten Experten die Dauer der Instandsetzung auf vier bis fünf Wochen angesetzt. Die Halle, so die Zwischenbescheide der BBS, sollte erst nach den Sommerferien (Ende August), dann nach den Herbstferien (Ende Oktober) und schließlich vor Weihnachten wieder geöffnet werden. Nun also im Januar - nach acht Monaten.
"Die Schadensanalyse war umfangreicher als erwartet, wir mussten zusätzliche Gutachten einholen", begründete Dirk Nockemann, BBS-Abteilungsleiter Schulbauten, die Verzögerungen, "die Sicherheit hatte Vorrang."
Hamburger Abendblatt über ETV-Wasserball + Unihockey
Erschienen im Hamburger Abendblatt am 08. November 2007
Bloß nicht wieder nass machen lassen
Sportplatz Hamburg
Quasi im allerletzten Moment wendeten die Wasserballfrauen des ETV in der vergangenen Saison eine Blamage ab. Dank ihres Erfolgs gegen Heidelberg gaben sie am letzten Bundesliga-Spieltag noch die "Rote Laterne" des Tabellenletzten an die Konkurrenz aus Chemnitz ab. Eine Zitterpartie, die Trainer Sven Sethmann in der neuen Spielzeit auf jeden Fall vermeiden will. Getreu dem Motto: Bloß nicht wieder nass machen lassen! "Unser Ziel ist ein Platz unter den ersten Sechs, der die Qualifikation für die Play-offs bedeuten würde", sagt der Coach. "Schon nach den ersten beiden Partien wird man eine Tendenz erkennen." Mit den Heimspielen gegen Neukölln Berlin (Sa., 15.30 Uhr) und Chemnitz (So., 11 Uhr, beide Traglufthalle Wilhelmsburg) stehen gleich zu Saisonbeginn Duelle gegen direkte Konkurrenten im Kampf um Rang sechs an. Einen Abstieg aus der Neunerliga brauchen die Hamburgerinnen mangels Aufstiegsaspiranten nicht zu befürchten. Ihre ETV-Premiere in der Bundesliga feiert am Wochenende Neuzugang Svenja Blöding, die von Gronau nach Hamburg wechselte. Ansonsten plant Sethmann weitgehend mit dem Team des Vorjahres um Torfrau Imke Odendahl und Center Conny Koch. Sorgen bereiten dem ETV die Finanzen. Es fehlen rund 3000 Euro, die der Verein bislang als Fahrtkostenzuschuss vom Hamburger Sportbund (HSB) erhielt. Derzeit gelten die Wasserballerinnen (Etat: 15 000 Euro) wie die Softballerinnen der Hamburg Knights oder die ETV-Unihockeyspieler als nicht förderungswürdig. Laut HSB wird an einer Lösung gearbeitet.
Unihockey: Das deutsche U-19-Nationalteam um die Hamburger Bundesligaspieler Fritz Herrmann und Mathis Wittneben (beide ETV) ist mit einem Remis in die WM in der Schweiz gestartet. Gegen Mitfavorit Estland gab es in einer gutklassigen Partie ein 7:7 (0:2, 4:2, 3:3).
Volleyballer Rasmus Mumme im Abendblatt
erschienen im Hamburger Abendblatt am 10. September 2007
U-18-Story Hamburgs grösstes Beachvolleyball-Talent ist europäische Spitze
"Vielleicht ist Rasmus zu lieb"
Von Matthias Husmann
HAMBURG -
Wie ein typischer Beachboy, braun gebrannt und muskelbepackt, sieht er nicht aus. Seine stattlichen 202 Zentimeter, das blonde Haar und der Versuch eines Dreitagebarts erinnern eher an den Basketballstar Dirk Nowitzki. Doch Rasmus Mumme ist Beachvolleyballer - und kein schlechter.
Der Hamburger Landestrainer Niclas Hildebrand (26), seit Anfang des Jahres im Amt, sieht in dem sympathischen Eimsbütteler den zweitbesten Blockspieler Deutschlands, und europaweit gehöre er zu den besten zehn seines Jahrgangs. Und dies, obwohl Rasmus erst seit vier Jahren beacht. Wie viele seiner Zunft kommt er vom Hallenvolleyball. "Ich muss etwa neun oder zehn Jahre alt gewesen sein, meine Mama hatte mich damals zum Training geschickt", erinnert sich der 18-Jährige, der bis heute für den Eimsbütteler TV blockt.
Die Hallen-Jugendnationalmannschaft lockte damals, Rasmus lehnte ab: "Das hätte bedeutet, dass ich nach Berlin ziehen muss." Lieber besucht er weiter das Helene-Lange-Gymnasium. Hier will der Zwölftklässler mit dem Notenschnitt von 1,4 nächstes Jahr sein Abi bauen.
Jugendnationalspieler ist er vor zwei Jahren trotzdem geworden - im Beachvolleyball: "Ich muss zwar mehr trainieren, kann aber in Hamburg wohnen bleiben", erzählt Rasmus. Nur für eine Freundin bleibe momentan leider keine Zeit. Unter anderem auch, weil er häufig auf internationalen Turnieren sein Können unter Beweis stellen darf.
Bei der U-19-Weltmeisterschaft in Polen scheiterte er mit seinem Partner René Einbrodt (Berliner TSC) allerdings schon in der Qualifikation. "Es war trotzdem eine tolle Erfahrung, außerdem haben wir gegen die späteren WM-Dritten gezeigt, dass wir voll mithalten können."
"Rasmus ist ein ganz lieber Typ", meint Verbandstrainer Hildebrand, vielleicht sogar zu lieb: "Er hat großes Talent, ein gutes Auge, aber wenn man Profi werden will, muss man am Netz auch Aggressivität ausstrahlen." Rasmus weiß, dass der Weg zum Berufsspieler beschwerlich wäre, daher will er sein Hauptaugenmerk zunächst auf ein Studium legen: "Ich könnte mir gut vorstellen, Volkswirtschaft oder Ähnliches zu studieren. Da muss ich mich aber noch beraten lassen."
Die Mopo über die ETV-C-Jugend
Quelle: MOPO vom 31.08.2007 / SEITE 42 / FOLKE HAVEKOST
Teamgeist statt Geniekult
Eimsbütteler C-Jugend seit zwei Jahren ungeschlagen / Morgen in der Regionalliga beim HSV
"Solch einen Jubel hat der Hoheluft-Platz lange nicht mehr erlebt. Die Spieler umarmten die Torschützen und trugen sie zu ihren Plätzen zurück, die Ränge rasten vor Begeisterung ¼" - Szenen aus dem Jahr 1934, als der Eimsbütteler TV den HSV mit 8:3 vom Platz fegte. Morgen (14 Uhr, Lokstedter Steindamm) steht in der C-Jugend-Regionalliga eine Neuauflage im Kleinformat an. "Normal haben wir da keine Chance", sagt Richard Wenzing, der den Aufsteiger ETV gemeinsam mit seinem Sohn Harald trainiert, "aber die wollen wir nutzen".
Die seit zwei Jahren in Punktspielen ungeschlagenen 14- und 15-Jährigen sind das Aushängeschild der über 30 Nachwuchsteams im ETV, der sich nach langer Zeit wieder mit Werder, Hannover, Wolfsburg oder dem HSV misst. "Wir wollen keine guten Einzelspieler, wenn sie sich nicht gut in eine Mannschaft einfügen können", erklärt Harald Wenzing. Wer den dicken Max markiert, steht schnell im Abseits - das gilt übrigens auch für übereifrige Eltern am Spielfeldrand.
Im Team stehen Kicker wie der besonnene Sascha Bartold, der im zentralen Mittelfeld das Spiel trägt, oder der pfeilschnelle Außenspieler Marcel Balic. Einer von vieren, die schon seit der G-Jugend 1998 dabei sind, ist Jonas Struckmann. Der Torwart wurde jüngst von seinen Mitspielern zum Kapitän gewählt, vor zwei Jahren lehnte er das Angebot ab, zum HSV zu wechseln. "Ach, die bleiben alle bis zum Schluss", sagt und hofft Francesco, der am Trainingsplatz das Büdchen "Zum Wilden Sizilianer" betreibt.
Teamgeist statt individueller Geniekult - der ETV ist da eher holländisch als brasilianisch. In der Hamburger Auswahl stehen nur zwei Eimsbütteler. Dort werde zu viel Wert auf die individuelle Entwicklung gelegt, kritisieren die Wenzings. "Wir gelten als Team, das antiquierten Fußball spielt", sagt Richard Wenzing, "aber für mich ist das ein Synonym für Erfolg."
Hamburger Abendblatt über Reha-Sport
Sport auf Krankenschein
Rehabilitation: Speziell zugeschnittene Programme für Patienten. Ob Diabetes, MS oder Asthma - es gibt in Hamburg 160 Gruppen, in denen unter Anleitung Koordination, Ausdauer und Kraft trainiert werden
Von Angela Grosse
Sie leiden unter Asthma, Arthrose, Inkontinenz oder chronischen Rückenschmerzen, haben eine Gelenkprothese, Diabetes, Parkinson oder multiple Sklerose? Dann ist sportliche Bewegung eine gute Möglichkeit, um die Lebensqualität zu erhöhen, davon sind immer mehr Mediziner überzeugt. "Für etwa 30 Indikationen kann ein Mediziner Rehabilitationssport verschreiben", sagt Dr. Birte Lang. Die Medizinerin ist Vorsitzende des Behinderten-Rehabilitations-Sportverbandes (BRS) Hamburg. Der BRS prüft und lizensiert alle Hamburger Angebote für Reha-Sport. Nur wenn die Prüfung positiv ausfällt, darf das Projekt gestartet werden. "Dabei ist Reha-Sport zunächst einmal Sport. Das Programm wird jedoch so zugeschnitten, daß es jedem Teilnehmer Spaß bringt und außerdem genau die Fähigkeiten und Fertigkeiten verbessert, die durch eine Krankheit oder einen Unfall beeinträchtigt oder gefährdet sind."
Im Unterschied zu Angeboten aus dem Bereich des Gesundheitssports wird jede dieser Gruppen, die eine Größe von 15 Teilnehmern nicht überschreiten soll, von einem Mediziner betreut. Wie der Arzt in die Arbeit einbezogen wird, darüber entscheiden die Kursleiter nach Rücksprache mit dem Mediziner. "Nur bei den Herz-Sport-Gruppen, die ja von der Organisation HerzInForm koordiniert werden, muß immer ein Arzt anwesend sein", sagt Dr. Lang. Es waren auch die Herzspezialisten, die vor 35 Jahren den Gedanken des Reha-Sports für Patienten mit chronischen Krankheiten begründeten.
Jede der Reha-Sportgruppen, von denen es in Hamburg gegenwärtig 160 gibt, wird von einer speziell ausgebildeten Fachkraft geleitet. "Um diese Übungsleiter auszubilden, hat der Deutsche Behindertensportverband extra eine Fortbildungakademie gegründet", so die Expertin. Damit soll garantiert werden, daß alle Gruppen entsprechend dem Krankheitsbild auch fachgerecht betreut werden. Das sei eine Vorgabe der Krankenkassen, die für jeden Teilnehmer fünf oder sechs Euro pro Kurszeit, die 45 Minuten bis eine Stunde umfaßt, zahlen, erläutert die Medizinerin.
Schließlich ist es ein gewaltiger Unterschied, ob Menschen mit Atemwegserkrankungen Sport machen oder Menschen, die beispielsweise an einer multiplen Sklerose (MS) leiden. Während im ersten Fall mit Walking, Gehen oder leichtem Laufen vor allem Ausdauer trainiert werden muß, steht bei den MS-Patienten die Schulung der Koordination und des Gleichgewichts beispielsweise mit Ballspielen im Mittelpunkt.
Die Anforderungen für diese Ausbildung seien hoch, und man brauche viel Zeit, um die Qualifikationen zu erwerben, sagt Britta Vester. Die Physiotherapeutin und Diplom-Sportwissenschaftlerin leitet beim Eimsbütteler Turnverband (ETV) den Bereich Reha-Sport. "Um beispielsweise eine Reha-Sportgruppe für MS oder Diabetes zu leiten, muß man eine spezielle Ausbildung haben."
Das Angebot des ETV für MS-Betroffene ist bislang in Hamburg einzigartig. Denn in den meisten der 160 festen Gruppen, die vom BRS lizensiert sind und von insgesamt 34 Vereinen, der Volkshochschule und gewerblichen Anbietern durchgeführt werden, geht es um Reha-Sportangebote, die schwerpunktmäßig den Rücken stärken sollen. In Hamburg können aber auch Menschen mit Atemwegserkrankungen, Diabetes, Parkinson, Herzinsuffizienz, Osteoporose, Morbus Bechterew, Krebs, Amputationen oder Inkontinenz Reha-Sport in Anspruch nehmen.
Ziel des Reha-Sports sei auch, so Britta Vester, daß die Teilnehmer so viel Spaß am Sport bekämen, daß sie weitere Angebote der Vereine im Bereich des Gesundheits- und Breitensports nutzen. Dabei sei der Weg dahin nicht immer einfach, räumt Dr. Lang ein. "Wer noch nie Sport getrieben hat, muß schon drei Monate durchhalten. Erst dann ist der Sport wirklich in den Alltag integriert."
Insgesamt sind 1600 bis 2000 Menschen in Hamburg in den vom BRS geprüften Reha-Sport-Gruppen aktiv. "Und wir sind dabei, dieses Angebot auszuweiten, denn die Nachfrage nach diesen Gruppen steigt. 20 weitere Anträge liegen uns bereits vor", sagt Dr. Lang. Wohl auch, weil das gemeinsame Sporttreiben in einer Gruppe den offenen Umgang mit der Krankheit oder Behinderung erleichert.
erschienen am 3. Juni 2006
Die taz über 100 Jahre Fußball im ETV
Lang her ist's mit der Meisterschaft
Morgen wird mit dem Eimsbüttler Turnverein einer der traditions- und lange Zeit erfolgreichsten Fußballvereine Norddeutschlands 100 Jahre alt.
Vom Leistungs-Fußball hat sich der Club inzwischen verabschiedet - zu Gunsten von Breitensport und Jugendarbeit
von Folke Havekost
Für zwei Stunden ist Richard Wenzing vom Festakt verschwunden. Die Fußballer des Eimsbütteler Turnvereins (ETV) feiern mit 200 Gästen ihren 100. Geburtstag, aber die 120 Minuten zwischen der Festrede des Tübinger Rhetorik-Professors Walter Jens und dem Erinnerungsaustausch alter Spieler-Legenden muss Wenzing auslassen. Als er ins Festzelt zurückkehrt, trägt er eine frohe Botschaft im Gepäck: Die von ihm trainierte D-Jugend des ETV hat das Jugendteam des Hamburger Sportvereins 2:1 bezwungen und sich damit die Qualifikation für die nächsthöhere Nachwuchs-Spielklasse gesichert.
Ein perfektes Ergebnis für die Feierstunden am vergangenen Sonnabend, in denen der in Hamburg-Eimsbüttel aufgewachsene Jens an ein Spiel aus dem Jahr 1934 erinnert hat: ETV gegen HSV 8:3. Ein Paukenschlag, stellvertretend für die 30er Jahre, die große Zeit der Eimsbütteler: Von 1934 bis 1936 wurde der ETV dreimal in Folge Meister der Gauliga Nordmark aus hamburgischen, schleswig-holsteinischen und mecklenburgischen Vereinen. Eine deutschlandweite Spielklasse gab es damals noch nicht.
Einst einer der stärksten Vereine im Norden
Bis in die fünfziger Jahre hinein gehörte der ETV zu den stärksten Fußballvereinen Norddeutschlands. In dem ersten halben Jahrhundert ihres Bestehens waren die ETV-Kicker 49 Jahre lang erstklassig - eine Bilanz, die in diesem Zeitraum in Hamburg sonst nur der HSV erreichte. Fünf Eimsbüttelern gelang zwischen 1910 und 1942 der Sprung in die deutsche Auswahlmannschaft. Walter Jens, der einst als Torwart beim ETV spielte, setzte den Heroen seiner Jugendtage ein rhetorisches Denkmal: "Derle Ahlers, Otto Rohwedder, Herbert Panse, Kalli Mohr und Hanno Maack - wenn ich den letzten Goethe-Vers vergessen habe, werde ich den Eimsbütteler Sturm noch aufzählen können."
Am morgigen Freitag nun begehen die Kicker im Turnverein offiziell ihren 100. Geburtstag: Am 12. Mai 1906 trafen sich Eimsbüttels Rundleder-Pioniere erstmals in der "Räucherkate Schöning", neben der passenderweise ein Schuhwarengeschäft "Fußballstiefel in bester Ausführung" feilbot. Vorausgegangen war ein Jahrzehnt, in dem beim ETV zwar schon gegen den Ball getreten wurde, was sich aber auf Freundschaftsspiele gegen andere Mannschaften, zumeist aus den Reihen der Deutschen Turnerschaft, beschränkte.
Die Gründung einer eigenen Fußballabteilung war ein notwendiger Modernisierungsschritt. Ohne die Teilnahme an Meisterschaftsspielen drohte den Eimsbüttelern der Abgang ihrer besten Spieler. Verteidiger Hermann Neiße, der 1910 zum ersten DFB-Auswahlspieler des Vereins werden sollte, hatte zwischendurch bereits das zitronengelbe Jersey des benachbarten SC Victoria übergestreift, der schon lange um Punkte und Titel stritt.
Der ETV wurde der erste Hamburger Turnverein, der am Liga-Spielbetrieb teilnahm. Während der norddeutsche Verband den Neuling sofort in die höchste Liga einstufte, stieß das Vorgehen im Turnerlager auf große Skepsis: Fußball, so lautete eine weit verbreitete Meinung unter den Jüngern von "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn, war als englischer Import keine angemessene Ertüchtigung eines deutsch(national)en Mannes - galt doch Großbritannien als größtes Hindernis für den von Kaiser Wilhelm II. anvisierten Griff zur Weltmacht. "Eingefleischten Turnern in anderen Vereinen erschien unser Schritt geradezu unerhört", erinnerte sich der Frühzeit-Fußballer Otto Laplace an die Vorbehalte im Turnerlager, das sich zudem über die Bein zeigenden Kniehosen der Kicker echauffierte.
Die Pionierleistung indes wurde schnell belohnt: 1914/15 gewannen die in Rot und Weiß gekleideten Eimsbütteler ungeschlagen die Hamburger Meisterschaft - zu einer Zeit, als sich einzelne Kicker schon vermeintlich "rasch und freudig zu den Fahnen" begeben hatten, wie ETV-Gründungsmitglied Gustav Weymar den Beginn des Ersten Weltkriegs verklärte.
Nach dem Ende von Krieg und Kaiserreich errichtete der ETV auf seinem Sportplatz an der Hamburger Hoheluft eine moderne Holztribüne - und baute auf seinen Nachwuchs, der sein Können bei einem 21:0 gegen die Erste Jugend des HSV 1927 nachdrücklich demonstrierte. Eine um so wichtigere Ressource bei einem Verein, der - das war als Erbe der Turnbewegung geblieben - das Amateurideal hochhielt.
Intern wurde über eine Wahlwerbung der rechtskonservativen Deutschnationalen Volkspartei gestritten, die gegen den Willen des Redakteurs in die Vereinszeitung gehoben worden war. Das politische Spektrum innerhalb des ETV erschien derweil breit: ein turnerisch- konservatives Traditionsbewusstsein, das dem im holländischen Exil weilenden Kaiser nachtrauerte, fand sich ebenso wie progressive Anschauungen, die im Arbeiterstadtteil Eimsbüttel weite Verbreitung gefunden hatten. Über allem thronte jedoch das bürgerliche Leitbild vom Sport als unpolitischem Zeitvertreib.
Auch die bürgerlichen, also im DFB organisierten Vereine, waren den Nationalsozialisten zumindest prinzipiell ein Dorn im Auge. NS-Schriftsteller Bruno Malitz wetterte gegen das "Geschäft von Vereins-Unternehmern" und geißelte den "sinnlosen Vereinsfanatismus" als "liberalistisch". Da die bestehenden Vereine mit ihrer oft eilfertigen Unterordnung kein Gefahrenpotenzial boten, verzichteten die Nazis auf weitere einschneidende Maßnahmen.
Die größten Erfolge im "Dritten Reich"
Die größten sportlichen Erfolge der ETV-Kicker fielen in die Zeit zwischen 1933 und 1945. Dabei passte der Großverein mit seinen zahlreichen Abteilungen, der trotz Zahlungen einiger "Gönner" den Profisport offiziell ablehnte, weit besser ins Bild der NS-Machthaber als etwa der sehr leistungsorientierte HSV, der seine Spieler nicht allein von der eigenen Scholle gewann.
Inwieweit dies die ETV-Erfolge förderte oder ermöglichte, entzieht sich der historischen Beurteilung - zumal der DFB auch zu Zeiten der Weimarer Republik am Ideal des Amateursports festhielt und Vereine, die zu offensichtlich auf Zuwendungen an ihre Spieler setzten, mitunter drakonisch bestrafte. Fest steht, dass die Eimsbütteler Fußballer in den jungen Jahren Walter Jens' in Norddeutschland nur zwei Gegner zu fürchten hatten: die Mannschaften des HSV und von Werder Bremen; letztere hatten in fünf Endrunden-Spielen um die deutsche Meisterschaft fünfmal die Nase vorn. Die Waggons der Straßenbahn-Linie 2 waren gefüllt, wenn der ETV am Lokstedter Steindamm seine größten Rivalen erwartete. Der Zuschauerrekord liegt bei 24.000, aufgestellt beim Gastspiel des HSV am 20. März 1938.
Früh-Nationalspieler Hermann Neiße, der schon 1932 an den Folgen einer Blinddarmoperation gestorben war, erhielt vier Nachfolger im Nationaltrikot: Otto Rohwedder, ein bulliges Enfant terrible, der Gegenspielern schon einmal in den Hintern trat, um sich nach dem Schlusspfiff am Tresen wieder zu versöhnen. Herbert Panse, ein schmächtiger Mittelstürmer, der Rohwedders Vorlagen mit traumwandlerischer Sicherheit verwandelte. Erwin Stührk, ein blonder Wuschelkopf, der nur "Ebbe" genannt wurde und als Verteidiger mit Offensivqualitäten brillierte. Und schließlich Hans Rohde, der als Mittelläufer den Beinamen "der Eiserne Hans" trug und mit insgesamt 25 Länderspiel-Einsätzen lange Hamburgs Rekordnationalspieler war.
Während des Zweiten Weltkriegs ergänzten zwei weitere Nordmark-Meisterschaften 1940 und 1942 die Eimsbütteler Titelsammlung. Als Deutschland 1945 befreit war, lag die Tribüne in Trümmern, das britische Besatzungspersonal requirierte zunächst das Stadiongelände. Erwin Stührk war beim Angriff auf die Sowjetunion gestorben, Hans Rohde befand sich in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Angeführt von den Manja-Brüdern Kurt und Karl-Heinz zählte der ETV zwischen 1948 und 1956 in der Oberliga Nord noch zur Spitzenklasse. Doch als am 50. Geburtstag als Tabellenletzter der Abstieg aus der höchsten Liga anstand, war die Zeit des erstklassigen Fußballs im ETV vorbei.
Als 1959 doch noch einmal ein Anlauf unternommen wurde, rechnete der Vereinsvorstand Verluste von bis zu 60.000 Mark im dann nicht eingetretenen Aufstiegsfall aus - die Ära des deutschen (Voll-)Profifußballs fand fortan ohne die Eimsbütteler statt.
Wichtiger Akteur der sportlichen Sozialarbeit
Ihre vortreffliche Nachwuchsarbeit produzierte allerdings immer wieder Talente wie etwa den heutigen St. Pauli-Spieler Jens Scharping, die es bis in die Fußball-Bundesliga schafften. Mit über 600 Jugendlichen besitzt Eimsbüttel auch heute noch eine der stärksten Nachwuchsabteilungen im Hamburger Fußball. Mit dieser intensiven Jugendfußball-Betreuuung gehört der Verein in der Gegenwart zu den wichtigsten Akteuren spielerisch-sportlicher Sozialarbeit in dem dichtbesiedelten Hamburger Innenstadtviertel.
Bei den ETV-Heimspielen verlieren sich in diesen Tagen selten mehr als 50 Besucher an der Hoheluft, wenn die Nachfahren von Rohde & Co. gegen den Abstieg aus der sechstklassigen Landesliga kämpfen. Unter der Federführung von Geschäfstführer Frank Fechner, der bis zum vergangenen Jahr die Geschicke des Drittligisten FC. St. Pauli maßgeblich lenkte, wird der ETV in einen modernen Breitensport-Verein verwandelt, was einem Höhenflug der Fußballer enge Grenzen setzt. "Vorbei, die Eimsbüttler Tage", hat es Jubiläumsgratulant Walter Jens einmal wehmütig formuliert. Dabei ist der Verein eigentlich nur zu seinen Wurzeln zurückgekehrt: als Stadtteilverein für Jung und Alt.
taz Nord Nr. 7968 vom 11.5.2006, Seite 27, 332 TAZ-Bericht Folke Havekost
© Contrapress media GmbH Vervielfältigung nur mit Genehmigung des taz-Verlags
Hamburger Abendblatt über den Erfolg der ETV-Karateka
Zwei dritte Plätze für Hamburger Karateka
HAMBURG - Joanna Chyra (ETV) und die Damen-Kata-Mannschaft des AMTV mit Anke Leptin, Jutta Heinrich und Miriam Heinrich haben bei den deutschen Karate-Meisterschaften in der Sporthalle Hamburg mit dritten Plätzen für die besten Gastgeber-Resultate gesorgt.
Die Stars unter den 500 Sportlern in der Alsterdorfer Arena waren allerdings andere. Denn mit Kora Knühmann (Duisburg) und Köksal Cakir (Ludwigsburg) waren gleich zwei amtierende World-Games-Sieger am Start. Die ehemalige Weltmeisterin Knühmann siegte in der Kumite-Klasse bis 53 Kilo. Cakir durfte sich gleich zweimal feiern lassen. Er gewann in der Kumite-Kategorie bis 75 Kilo sowie in der nach oben offenen Gewichtsklasse.
Beim Kumite treten stets zwei Kämpfer auf der Matte gegegeneinander an, während beim Kata nur ein imaginärer Kontrahent herausgefordert wird. Kraft, Stärke und Schnelligkeit sowie Anmut, Rhythmus und Balance sind gefragt. Die Damen des AMTV überzeugten im Teamwettkampf auch durch ihre Synchronität.
Um Gleichzeitigkeit mußte sich Joanna Chyra im Kumite nicht bemühen. Im Duell mit den Gegnerinnen profitierte die bereits für die polnische Nationalmannschaft gestartete Hamburgerin von ihrer internationalen Erfahrung. Die mit einer Wildcard ins Feld gerückte Kämpferin des ETV mußte sich nur der späteren Siegerin Julia Gehring (Friedrichshafen) geschlagen geben.
Zufrieden konnten bei den DM, die zum vierten Mal nach 1978, 1986 und 1998 in Hamburg ausgetragen wurden, auch die Männer der KG Hamburg sein. Mit einem angeschlagenen Team gelang der KG im Kumite nach Niederlagen gegen Jena und Brandenburg dennoch ein respektabler siebter Platz.
erschienen am 3. April 2006
(c) Hamburger Abendblatt
Die Welt am Sonntag über 100 Jahre Fußball im ETV Hamburg
"Fair Play hat den Verein groß gemacht"
100 Jahre Fußball in Eimsbüttel: Rhetorikprofessor Walter Jens erinnert sich an die große Zeit des Hamburger Traditionsclubs ETV
von Walter Jens; Cornelis Rattmann
An diesem Wochenende feiert die Fußballabteilung des Eimsbüttler Turnverbands (ETV) ihr 100jähriges Bestehen. Bis in die 50er Jahre gehörte der ETV zu den stärksten Mannschaften Norddeutschlands. Beim Festakt sprach der in Eimsbüttel geborene Rhetorikprofessor Walter Jens gestern über die großen Zeiten der "Rotjacken" in den 30er Jahren, die Siege über den Erzrivalen HSV und das Fußballspiel als Mittler zwischen den Völkern. Die "Welt am Sonntag" dokumentiert die Rede in Auszügen.
"(...) Richtung Lokstedt, zum Tribünen-Sportplatz des ETV, machte ich mich in den Schülerjahren, zwischen Sexta und Prima, auf den Weg, wenn Eimsbüttel spielte, und ich meiner Traum-Elf zujubeln konnte: dem grandiosen Sturm-Quintett oder dem unüberwindbaren Otto Lüdecke, der einen Beruf ausübte, den ich, wenn meine Mutter, eine Lehrerin, das Sagen gehabt hätte, gleichfalls praktizieren sollte: promovierter Studienrat.
Und neben Lüdecke der unvergessene Ebbe Stührck, Nationalspieler und Meister im Köpfen und Grätschen, den wir so früh betrauern mußten. "Lies den "Kicker', Jung", sagte mein Vater im Frühjahr 1942 zu mir, "Stührck ist tot. Gefallen in Rußland. Ach, er war noch so jung!"
Ich liebte sie alle, die Eimsbüttler Meister, nur Erni Timm vielleicht ein bißchen weniger. Er war etwas ruppig, aber kam ja auch von Union 09 und war kein Autochthoner, wie die alten Griechen die wahren Einheimischen nannten.
Aber Böhlke, der Keeper, das war mein Mann. Wenn gutes Fußballwetter war und meine Mutter keine nächtlichen Asthma-Anfälle befürchten mußte. "Paß ja auf, mein Jung, daß Du dich nicht wieder erkältest" war ihr letzter Satz, bevor ich auf den Sportplatz ging. Ich fing an zu laufen, sobald mich meine Mutter nicht mehr sehen konnte. Ich rannte, ich peckerte los, um jedenfalls während einer Halbzeit hinter Böhlkes Tor zu stehen. Wunderbar: sein Stellungsspiel, hinreißend: die Kooperation mit der Abwehr, Hans Rohde und Böhlke verstanden sich traumhaft. (...)
Die Torhüter in ihren Sweatern: das sind für mich bis heute die Nummern 1 geblieben; gefährdet wie kein anderer Spieler. Wenn Otto Rohwedder danebenschoß, dann kostete das wenig; aber wenn mein Böhlke sich verschätzte, dann war der Torhüter der einsamste Mann auf dem Feld. Ich habe an Böhlke gedacht, als Kahn beim Endspiel gegen Brasilien wie ein Anfänger patzte.
Ach, wie glücklich war der Johanniter Jens, wenn am Sonntag in der Breitenfelderstraße nicht nur doppelte Freude herrschte: kein Asthma, und: Eimsbüttel hat seinen Erzfeind vom Rothenbaum mit 8:3 geschlagen - nachzulesen in der nicht genug zu rühmenden Schrift von Folke Havekost über den Traditionsverein Eimsbüttel: eine Summe kommentierter Reportagen, wie sie sich spannender nicht denken läßt, und Walter Jens, elfjährig, Quartaner der Gelehrtenschule des Johanneums, ist dabei beim großen Triumph.
"Welch ein Jubel": die Sport-Gazette "Der Fußball" - wir wollen sie gerafft und verfremdet zitieren - schämte sich ihrer Begeisterung nicht. " So etwas hat der Hoheluft-Sportplatz schon lange nicht mehr erlebt! Die Spieler umarmten die Torschützen und trugen sie zu ihren Plätzen zurück. Die Tribüne hallte wider von den Anfeuerungsrufen der Eimsbüttler, die Ränge rasten vor Begeisterung, der Schlachtruf der HSVler" "auf, Ihr Männer!' erstarb auf den Lippen der Fans, denen es bei den Torschützen der Rotjacken grün und blau vor Augen wurde.
1:0 für Eimsbüttel. Und gleich darauf 1:1; gleich darauf dann 2:1 für den Meister, und plötzlich, wie Blitze aus heiterem Himmel: 3:2, 4:2, 5:2...ein kleiner Dämpfer: 5:3, aber dann war der Eimsbüttler Sturm nicht mehr zu halten. Trommelfeuer von allen Seiten. Der HSV ging unter: 6:3, 7:3, 8:3. Das war ein Cannae!" (...)
Nie gab's so viel zu rühmen wie zwischen 1934 und 1936: Eimsbüttel - dreimal Meister, ein Hattrick, und das Torverhältnis 60:21, 62:19 und schließlich 89:26.
Dann aber - in den Jahren nach 1945 - ging es erst langsam, dann etwas schneller, und schließlich, nimmt man kleine Gegenläufigkeiten aus, rapide bergab. Hatten wir einst, in glorreichen Zeiten, selbst die Knappen besiegt, weil Lüdecke in der Mauer eine Lücke ausmachte - "und jetzt du, Otto, hinein!" - so ging das erste Nachkriegs-Spiel gegen Concordia 2:3 und gegen den SV Blankenese - Blankenese! Man stelle sich vor! - noch höher verloren. Alles nachzulesen in Folke Havekosts Chronik. Wir teilen bei der Lektüre die "Schmach", die aus den Triumphen von Elends-Gegnern bestand, deren Herkunftsort man erst im Atlas nachschlagen mußte: Dassendorf! Glashütte! Sparrieshoop!
Genug davon am Jubiläumstag. Unser Präsident hat, und zwar zu Recht, das Motto der Jahresfeier vorgegeben: "Blicken wir nach vorn, am 6. Mai. Kein Lamento, sondern "nun erst recht!" Verweilen wir also bei der Tradition unseres unverwechselbaren Vereins. Vergessen wir das 8:3 nicht! Aber wenden wir uns auch den Jungen zu: 30 Nachwuchs-Gruppen gibt es. Wenn die Buttjes (und hoffentlich auch sehr bald schon die vielen Deerns) einlaufen, mögen sie sich an den eisernen Hans Rohde und die vielen erinnern, die sich nicht aufkaufen ließen, sondern ihrem Verein die Treue hielten.
Vertrauen wir auf eine E-Jugend, die es nicht als ehrenrührig betrachtet, eines Tages in einer Eimsbüttler Altherrenmannschaft zu spielen, und nicht, um des Geldes willen, von Verein zu Verein zu tingeln. Vergessen wir nicht: das Miteinander von jung und alt war im ETV jahrzehntelang die Garantie für jenes Fair Play, das den Verein groß gemacht hat.
Fair Play und Noblesse: Kurt Manja, vielen Sportskameraden geistesverwandt, gab kurz nach Kriegsende einem Interviewer zu Protokoll: "Wir - das war eine Hamburger Stadt-Mannschaft - spielten vor 5000 Menschen am Rothenbaum für einen guten Zweck gegen eine Londoner Universitäts-Elf. Eine englische Rotkreuzschwester führte den Anstoß aus. Geleitet wurde die Partie von einem bekannten Schiedsrichter namens Captain Crane." Manche alte Hamburger Fußball-Freunde werden den wunderbaren Mann noch kennen, einen alten Gentleman, der in London nicht anders als in Eimsbüttel zu Hause war. "Wir gewannen 6:1, wobei ich, Kurt Manja, drei Treffer erzielte. Als Hamburger Mannschafts-Kapitän durfte ich damals dem Londoner Spielführer im ersten Match nach dem Krieg mit einem Handschlag begrüßen."
So geschehen als Zeichen der Versöhnung, zweieinhalb Jahre nach dem Angriff auf unsere Vaterstadt, bei dem die Hälfte der Eimsbüttler Wohnhäuser vernichtet wurde: Das Fußballspiel als Mittler zwischen den Völkern. Nie wieder Gomorrha! Nie wieder Kampf und Vernichtung! Statt dessen Spiel, Freundlichkeit und ein Blick auf jene Kultur des Verlierens, die - dem Pseudo-Ideal des Siegs um jeden Preis Paroli bietend - gerade heute, im Zeichen der Fußball-Weltmeisterschaft, vom Gastland, neu bedacht werden will.(...)
Literatur und Fußball, die Kunst und den Sport, die Intelligenz in zwiefacher Ausprägung, das Sportive und das Spirituelle als Symbiose zu betrachten... ja, das hat mich immer gereizt. Vom Artistischen fasziniert sind mir die Buffer, Drescher und Knobelmänner stets verächtlich gewesen, während ich die genialen Techniker und Ballzauberer wie Sindelar und Sesta, Fritz Walter und Rudi Noack, Franz Beckenbauer und Günter Netzer schon früh bewunderte...und meine geliebten Eimsbüttler natürlich, die Panse und Ahlers, die Kleikamp und Maack, die einmal 0:5 gegen den HSV verloren, und ein anderes Mal 5:0 gewannen, um so die schönste Mitgift des Fußballs ins Blickfeld zu rücken, seine Unberechenbarkeit. Die Ambivalenz von Kalkül und Risiko, Zauber und Planung macht sein Wesen aus; Logik und die Fähigkeit, zu improvisieren bestimmen in gleicher Weise den Spielverlauf, der Spezialisten verlangt. Aber Spezialisten, die, wie in Eimsbüttels großen Tagen, zugleich Polytechniker sind und das Ganze des Spiels nie aus den Augen verlieren.
Fußball ist ein autoritärer Sport, dessen Autoritäten jederzeit infrage gestellt werden können. Freiwillige Selbstbeschränkung und kein Zwang von außen bestimmt das große Spiel. "Verweigere Dich dem Kampf als oberstem Prinzip und mache Dir statt dessen jene Regeln zu eigen, die der Bäckermeister Klinsmann seinem Sohn, unserem Bundestrainer, ins Erfolgsbuch schrieb: "Sei redlich im Spiel, bescheiden im Sieg, neidlos in jeder Niederlage und sauber in der Gesinnung.' "
An der Grenze von Sport und Kunst, Traum und Realität habe ich, zumal in schwieriger Zeit, über die Jahre hinweg, viel von meinen Rotjacken gelernt und bleibe weiter in ihrer Schuld."
Artikel erschienen am 7. Mai 2006 © WAMS.de 1995 - 2006
Die Meister aus Eimsbüttel
Die Erfolge
Die ETV-Fußballer gehörten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den besten Hamburger Mannschaften. Fünf Nationalspieler gingen aus dem Team hervor. Bis zu 24 000 Zuschauer besuchen die Spiele an der Hoheluft. Drei Mal hintereinander gewinnt der ETV die Meisterschaft in der Gauliga Nordmark: 1933/34 bis 1935/36. In diese Zeit fielen auch die großen Siege gegen den HSV: Am 2. Dezember 1934 etwa wurde der Erzrivale auf eigenem Platz mit 8:3 geschlagen. An dieses Spiel erinnert Walter Jens in seiner Rede.
Die Chronik
Zum Jubiläum ist das Buch "100 Jahre Fußball in Eimsbüttel" von Folke Havekost erschienen (Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 302 Seiten, 22,90 Euro, ISBN-10: 3-89533-529-0).
Artikel erschienen am 7. May 2006, © WAMS.de 1995 - 2006
Hamburger Abendblatt über Reha-Sport im ETV Hamburg
Sport hilft bei der Heilung
Brustkrebs: Projekt Elim-Krankenhaus und Eimsbütteler Turnverband
Seit Jahren mehren sich die Hinweise, daß sportliche Bewegung den Krankheitsverlauf bei Brustkrebs positiv beeinflußt. Als Dr. Philip Kressin vom Hamburger BrustCentrum 2005 von den Ergebnissen einer Studie erfuhr, daß sportliche Bewegung Frauen nach Brustkrebs hilft, die Krankheit zu bewältigen, ja vor einem Rückfall zu schützen scheint, wurde er aktiv. Unterstützt vom Chefarzt des Elim-Krankenhauses, Prof. Christoph Lindner, startete Kressin im November 2005 mit dem Eimsbütteler Turnverband (ETV) das Projekt "Laufen und Bewegung für Frauen mit Brustkrebs".
Die Frauen fühlen sich weniger müde, entwickeln mehr Selbstvertrauen und sind insgesamt aktiver, berichtet Kursleiterin Stefanie Liebe. "Der einstündige Kursus, der zweimal die Woche stattfindet, hilft vor allem Frauen, die noch keinen Sport gemacht haben." Ihre Ausdauer verbessert sich durch Joggen und Walken, gymnastische Übungen stärken ihre Kraft, und sanfte Dehnungen erhöhen die Beweglichkeit. Sportliche Aktivität kann auch helfen, Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu mindern.
Was den schützenden Effekt ausübt, der auch in einer Studie an 2987 Frauen ("Jama", 2005, Vol. 293, S. 2479-2486) dokumentiert wurde, ist noch unklar. "Möglicherweise werden die Abwehrkräfte gestärkt, dem Übergewicht vorgebeugt", sagt Kressin. Letzteres ist einer der Risikofaktoren für die Entstehung von Brustkrebs. "Denn Übergewicht erhöht den Östrogenspiegel", so Prof. Lindner.
Die Kosten für die Teilnahme an dem Pilotprojekt übernimmt für die ersten drei Monate das Elim-Krankenhaus für seine Patientinnen. "Doch niedergelassene Ärzte können ihren Patientinnen den Reha-Sport auch mit Hilfe einer Reha-Sportverordnung, die über die Kassenärztliche Vereinigung bezogen werden kann, verschreiben, sofern die Kurse vom Behinderten- und Rehabilitationssportverband anerkannt sind", sagt Britta Vester vom ETV.
Regelmäßige sportliche Betätigung scheint auch ein Schutzfaktor vor Krebs zu sein - insbesondere vor Krebserkrankungen des Darms und der Brust, so die deutsche Krebsgesellschaft. "Ratsam ist, drei bis fünf Stunden pro Woche zu walken, so daß die Ausdauer erhöht wird", so Kressin.
Weitere Informationen: ETV, B. Vester: Tel. 040/40 17 69 46, E-Mail: bvester@etv-hamburg.de
Hamburger BrustCentrum Tel. 040/49 06 60
Reha-Sport: www.behindertensport.de/brshamburg/
Broschüre "Sport und Krebs"
Deutsche Krebsgesellschaft: www.krebsgesellschaft.de
erschienen am 1. April 2006
(c) Hamburger Abendblatt
Hamburger Abendblatt über Wasserball-Minis
Spritziges Spektakel im St.-Pauli-Bad, U-18-Story: Wasserball-Minis
Von Dirk Steinbach
HAMBURG - Wenn Nico (10) und Theo (9) mit einem Kopfsprung ins Wasser eintauchen, sieht das sehr gekonnt aus. Kunstspringer sind die Jungen aber nicht, Wasserball ist ihre Welt. Beide spielen für die HTB 62 Orcas in der Mini-Liga, der Spielklasse für Hamburgs jüngste Wasserballer. Acht gemischte Mannschaften sind darin vertreten, drei Schulauswahlen und fünf Vereinsteams.
Nico und Theo treten an diesem Tag im St.-Pauli-Bad mit ihren Orcas gegen den ETV an. Schon beim Anschwimmen zeigt sich: Das wird eine klare Sache. Während die kleinen Killerwale fast alle schon länger Wasserball spielen, sammeln beim ETV viele Kinder ihre ersten Erfahrungen im Becken. "Das ist jedoch nicht weiter schlimm", finden Nico und Theo: "Es macht trotzdem Spaß, auch wenn die anderen noch nicht so gut sind."
Aufgereiht am Beckenrand sitzen die Fans, Eltern zumeist. "Werfen", rufen sie oder "super Tor". Gleichzeitig herrscht im Pool ebenfalls aufgeregtes Geschrei. Jeder möchte den Ball haben, manchmal sind jedoch auch richtig gute Spielzüge zu sehen. Das Wasser spritzt, erneut ein Treffer für die Orcas. Schon vor der Halbzeit ist klar: das wird zweistellig.
Eine Mannschaft besteht aus fünf Feldspielern und einem Torwart, Mädchen und Jungen der Jahrgänge 1995 und jünger dürfen mitspielen. Zweimal acht Minuten dauert eine Partie. Ganz klar, daß jeder soviel Zeit wie möglich im Wasser verbringen will. Deshalb stößt auch die Entscheidung von Trainer und Organisator Philipp Kopf, die zweite Hälfte mit einem Spieler weniger und speziellen Regeln zu agieren, nicht bei allen seiner Orcas auf Gegenliebe. "Wir wollen doch den ETV nicht in Grund und Boden spielen", wirbt Kopf für Verständnis.
Seit vier Jahren existiert die Mini-Liga, die in dieser Form deutschlandweit einzigartig ist. Die Regeln wurden so weit abgespeckt, daß sogar Nichtschwimmer mitspielen können. Ziel ist es, die Kinder frühzeitig an das Wasserballspielen heranzuführen. "Wasserball wurde in der Vergangenheit immer sehr spät angefangen", erklärt Kopf. "Meist waren das Schwimmer, denen ihr Sport zu eintönig geworden war."
Bei Nico und Theo war das anders. Sie kamen über die Schule direkt zum Wasserball - und wollen auch dabeibleiben. Nico hörte dafür mit dem Fußballspielen auf. "Beim Fußball schluckt man Staub", sagt er. Wasser sei ihm lieber - denn manchmal geht es auch im Becken richtig zur Sache. "Brutal ist es aber nicht", meint Nico.
Die Orcas treffen ein weiteres Mal, dann pfeift der Schiedsrichter ab: Nico, Theo und die anderen Killerwale freuen sich über ein 15:1. Doch auch für die Verlierer des Spieltags ist die Saison in der Mini-Liga noch lange nicht gelaufen. Ende März geht es mit der Zwischenrunde weiter, im Mai steht das Finale an. Dann wird sich zeigen, ob die Orcas oder andere Wasserbewohner wie die Kraken vom ATSV die Herrscher der Becken sind.
erschienen am 27. Februar 2006
(c) Hamburger Abendblatt
Die MoPo übers ETV-Fitness- und Gesundheitszentrum
Ein fitter Körper im neuen Jahr
TILL STOPPENHAGEN
Wie war das noch mit den guten Vorsätzen fürs neue Jahr? Wer sich in der Silvesternacht noch euphorisch vorgenommen hatte, endlich etwas für die Gesundheit zu tun und Sport zu treiben, steht Tage später wieder einmal einem alten Bekannten gegenüber: dem inneren Schweinehund. Schnell sind genügend Argumente gegen den ersten Besuch im Fitnesscenter gefunden: Es ist zu spät, man hat nicht das richtige Trainingsoutfit und überhaupt kommt man sich zwischen all den Top-Athleten bestimmt ziemlich blöd vor.
Im Fitness- und Gesundheitszentrum des Eimsbütteler Turnverbandes (ETV) gelten diese Ausreden nicht. Schwellenangst braucht hier niemand zu haben, versichert Studioleiter Ralf Schmeckel: "Bei uns trainieren ganz normale Leute. Wir haben keine Poster mit Topmodels an den Wänden, und unsere Mitglieder schminken sich nicht schon vor dem Training." Und geöffnet ist das Zentrum 365 Tage im Jahr - das dürfte in jeden Zeitplan passen.
Bevor es mit dem Gerätetraining oder einem der etwa 60 Kursangebote losgeht, durchläuft jedes neue Mitglied einen ärztlichen Herz-Kreislauf-Check mit orthopädischem Sichtbefund. "So wird das Training genau auf den Teilnehmer abgestimmt", erklärt Schmeckel. "Dadurch wird das Risiko minimiert, sich durch falsches Training oder zu hohe Belastung zu schaden." Das Kursangebot reicht von Ausdauertraining wie "Step Fatburner" über "Bauch-Beine-Po" und "Yoga für Rücken und Gelenke" bis hin zu "Neuromuscular Integrative Action", einer Verbindung von Yoga, Aikido und Tanz.
Um mitzumachen, muss man Mitglied im ETV sein (Monatsbeitrag: 47 Euro). Wer erst einmal reinschnuppern möchte, kann an einem der zahlreichen Workshops teilnehmen. Die nächsten Seminare sind Nordic Walking (Start: 11.1., 60 Euro) und Spinning (Start: 20.1., 53 Euro).
Aus der Hamburger Morgenpost vom 09.01.2006
Die WELT über ETV-Unihockey
Wenn der Ball am Schläger klebt
Unihockey bietet Dynamik und spektakuläre Aktionen - ETV-Torwart Henke hofft auf WM-Teilnahme
von Werner Langmaack
Philipp Henke hat schon einiges ausprobiert. Als siebenjähriger Buttje begann er Feldhockey zu spielen, später kam Inlinehockey hinzu. Beim Judo mühte er sich, seine Gegner auf die Matte zu legen, und natürlich durfte der Fußball nicht fehlen. Doch da kam er nicht richtig weiter: "Wenn meine Eltern zu den Spielen mitfuhren, stellte der Trainer mich auf, wenn nicht, blieb ich auf der Bank", erinnert sich der heute 20jährige, der momentan eine Ausbildung zum Industriemechaniker durchläuft. In jener wenig befriedigenden Situation probierte seine Schulklasse im Sportunterricht Unihockey aus. Bereits bei der ersten Übungsstunde fing Philipp Feuer: "Ich kam aus der Schule nach Hause und wußte: Das ist mein Ding." Das sollte sich bewahrheiten. Der Hamburger befindet sich noch bis Montag beim Sichtungslehrgang für die in diesem Jahr anstehende Weltmeisterschaft. Beim Unihockey, einer reinen Hallendisziplin, wird im Gegensatz zum herkömmlichen Hockey mit relativ leichten Kunststoffschlägern und einer hohlen, durchlöcherten, 23 Gramm schweren Kugel gespielt, die im Spiel bis 180 Stundenkilometer schnell fliegt. "Unihockey ist dynamisch und trickreich, durch die Form der Kelle sind kleine technische Kunststücke möglich", erklärt Henke. "Mitunter sieht es so aus, als klebe die Spielkugel regelrecht unten an der gebogenen Schaufel." Unihockey ist eine Mixtur aus Feld- und Eishockey und wird in Skandinavien seit 35 Jahre gespielt. Philipps damalige Recherche, in welchen Hamburger Vereinen man überhaupt Unihockey spielen kann, ergab unter anderem: beim ETV. Ein günstiger Umstand, denn in dem Club war er bereits Mitglied, wenngleich in der Fußball-Abteilung. Allerdings gab es damals im Verein lediglich eine Kinder- und eine Erwachsenengruppe. Philipp war zwölf Jahre alt und lag mitten dazwischen. So mußte er schon vorzeitig bei den Großen mitspielen, was seiner Entwicklung aber offenbar zugute kam. Zwar fing er als Feldspieler an, als jedoch, wie so oft bei Ballspielen, einer fehlte, der bereit war, das Tor zu hüten, versuchte es Philipp einmal. "Ich wurde es aber nicht, weil ich der Dickste oder Unbegabteste war", betont er, "sondern habe mich aus eigenem Antrieb gemeldet." Seitdem - rund sieben Jahr ist es jetzt her - bewegt Philipp Henke sich vor dem 160 Zentimeter breiten und 115 Zentimeter hohen Kasten mit einem Aktionsradius von 360 Grad, denn beim Unihockey wird wie auf dem Eis auch hinter den Toren weitergespielt. Hamburgs Unihockey-Präsident Karl du Roi weiß um die Wichtigkeit des letzten Mannes auch in dieser Disziplin: "Bei unserem Sport muß der Torwart äußerst beweglich und reaktionsschnell sein, er muß eine schnelle Auffassungsgabe besitzen und durchgehend die Konzentration halten." Du Roi, den Henke gern als seinen "Mentor" bezeichnet, bescheinigt dem einzigen Hamburger Unihockey-Nationalspieler, daß er sich "in den vergangenen zwei Jahren rapide verbessert" habe. Die Chance auf internationale Einsätze habe Philipp gut getan, und in der Tat merkt man dem Nachwuchskeeper an, daß der Ehrgeiz ihn gepackt hat. Seit drei Jahren spielt er mit dem ETV in der höchsten deutschen Spielklasse, seit November 2004 gehört er zum 25köpfigen Nationalkader, und er absolvierte gegen Ungarn auch schon sein erstes Länderspiel. Dabei hinterließ der Hamburger einen positiven Eindruck, meint selbstbewußt: "Wir haben 8:2 gewonnen und die Ungarn haben bis zur 56. Minute gebraucht, ehe sie ihren ersten Treffer erzielten - da kann der deutsche Torwart wohl nicht so schlecht gewesen sein." Danach aber mußte er wieder anderen den Vortritt lassen. Momentan bangt Philipp um seine Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Mai in Schweden, dem Mutterland des Unihockeys. Drei Keeper werden mit zu den Titelkämpfen reisen - Henke brennt darauf, einer von ihnen zu sein. Deshalb ist der bevorstehende Sichtungslehrgang von enormer Bedeutung, denn danach werden nur noch die gemeinten WM-Teilnehmer zu den Trainingslagern eingeladen. Karl du Roi glaubt an seinen Schützling: "Die Konkurrenten sind zum Teil schon älter oder leben im Ausland, was der Bundestrainer nicht so gern sieht. Wenn Philipp beim Trainingslager gute Leistungen bringt, glaube ich daran, daß er mit zur WM darf."
Artikel erschienen am Freitag, 6. Januar 2006 © WELT.de 1995 - 2006
Hamburger Abendblatt über ETV-Wasserball
Wasserball: Bloß nicht wieder baden gehen (Auszug)
Sportplatz Hamburg
Der Start in die Saison hätte erfolgreicher verlaufen sollen, doch nun
wollen es die Bundesliga-Wasserballerinnen des ETV erst recht wissen.
Nachdem sie am vergangenen Wochenende in eigener Halle mit 6:13 gegen
Wuppertal baden gingen, müssen aus den kommenden Spielen Punkte her.
Schon morgen besteht im Dulsbergbad die Chance zur Wiedergutmachung.
Hannover reist zum Nordderby an. "Ein richtungweisendes Spiel", meint
Torfrau Imke Odendahl, denn tags darauf wird Serienmeister Bochum
erwartet. Die 20jährige ist nicht nur Mannschaftsführerin, sondern
auch die einzige Nationalspielerin im Team der Eimsbütteler. Ihr
großes Ziel heißt Peking 2008, für das sie künftig Extra-Schichten
einlegt. Mit dem ETV will sie das von Trainer Sven Sethmann
vorgegebene Ziel Platz fünf erreichen. Verbessern müssen sich die
Wasserballerinnen dafür vor allem im Abschluß und beim Überzahlspiel.
Nur zwei von 13 Möglichkeiten führten gegen Wuppertal zu einem
Torerfolg. "Eine katastrophale Quote", findet Annika Korsawe, der
ruhende Pol in Sethmanns Team. Und auch die jüngste im Kader, Stefanie
Ahlf, pflichtet ihr bei: "Wir haben uns ungeschickt angestellt." Gegen
Hannover darf das nicht mehr passieren, denn Torhüterin Odendahl gibt
unmißverständlich die Richtung vor: "Wir müssen gewinnen, wie ist mir
egal".
[...]
erschienen am 24. November 2005, >Vollständige Url des Artikels: http://www.abendblatt.de./daten/2005/11/24/506339.html
(c) Hamburger Abendblatt
DIE WELT über ETV-Wasserball
Kraftakte unter Wasser beim Kampf mit Gegnern und Funktionären
Hamburgs führende Wasserball-Teams streben in der neuen Saison nach Erfolgen - ETV-Frauen peilen Play-offs an - Poseidons Männer liebäugeln mit dem Aufstieg
von Werner Langmaack
"Wasserball", sagt Übungsleiter Sven Sethmann, "ist ein verkannter Sport. Es ist ein schnelles, attraktives Spiel, wird aber von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen." Am Beckenrand fänden sich praktisch nur Angehörige der Aktiven und andere Wasserballer ein. "Ich glaube sogar", so Sethmann weiter, "daß nur wenige Menschen in dieser Stadt ahnen, daß hier Erstliga-Wasserball gespielt wird." Nämlich von den Frauen des Eimsbütteler Turn-Verbandes (ETV), der in dieser Sparte praktisch ein Monopol in Hamburg besitzt. Mehr als 40 der in Hamburg spielenden rund 60 Wasserballerinnen sind ETV-Mitglied. Am Sonnabend um 17 Uhr (Olympiastütztpunkt Dulsberg) trifft der ETV zum Saisonstart auf die SG Wuppertal. Es wird ein richtungweisendes Match, denn Trainer Stehmann rechnet sich gegen den deutschen Vizemeister Chancen aus: "Wir sind in der vorigen Saison zwar nur Siebter geworden, haben uns aber verstärkt, während Wuppertal zwei Leistungsträgerinnen und die Trainerin eingebüßt hat." Daher peilen die ETV-Wasserballerinnen in ihrem dritten Bundesligajahr Rang fünf an, der zur Teilnahme an den Play-offs um den Meistertitel berechtigt.
Der Titel freilich ist kaum erreichbar. Der Deutsche Abonnementsmeister Blau-Weiß Bochum wird sich auch in dieser Spielzeit von der Konkurrenz nicht naß machen lassen. Aber durch den Zugang der früheren Jugendnationalspielerin Theresa Clouth aus Uerdingen sowie Annika Korsawe, die aus der aufgelösten Damenriege des SV Poseidon stammt, glaubt der Trainer die Qualität des Kaders spürbar gesteigert zu haben.
Während die ETV-Frauen also in der höchsten Spielklasse mitmischen, ist das beim Männerteam des SV Poseidon schon einige Jahre her. Seit 1997 spielt der Traditionsclub in Liga zwei - und die wird nach der jetzt beginnenden Saison aufgelöst. Poseidon-Manager Günther Scheuermann will für seinen Club zwar vorsorglich Protest einlegen gegen dieses "Hauruck-Verfahren", wie er es nennt: "Im Prinzip sind wir für diesen Schritt, aber der Verband hätte es nicht so übers Knie brechen müssen. Die Saison 2007 / 2008 wäre der bessere Zeitpunkt gewesen." Die Vergangenheit hat bewiesen, daß die Zweite Liga zu wenig Attraktivität entwickelte. Regelmäßig meldeten sich Vereine vom Spielbetrieb ab.
Unter diesen Umständen möchte der SV Poseidon am liebsten die Flucht nach oben antreten. "Wir peilen den sechsten oder siebten Tabellenplatz an, denn damit würden wir uns für die Bundesliga-Relegationsrunde qualifizieren." Die Erste Liga wird von 2006 an von bisher zehn auf 16 Clubs aufgestockt. Die ersten Vier aus Liga zwei steigen direkt auf, aber eine solche Plazierung als Saisonziel auszugeben, scheint Scheuermann "etwas vermessen".
Dabei hat Poseidon sich namhaft verstärkt. Zu den Leistungsträgern wie Torhüter Lars Hinkelmann, Kapitän Dennis Weiß und Torjäger Alexander Karner ist Sven Reinhardt aus Hannover gestoßen. Der 103fache Nationalspieler ist eine beachtliche Verstärkung, wie sich in den Testspielen herausstellte. Auch die zahlreichen Nachwuchstalente - das Durchschnittsalter im Kader liegt bei unter 25 Jahren - haben sich positiv entwickelt. Am Sonnabend um 19 Uhr geht's zum Auftakt am OSP gegen den SSV Esslingen. Manager Scheuermann ist ebenso zuversichtlich wie weitblickend. Für die Relegationsrunde Mitte Juli nächsten Jahres hat er sich beim Verband bereits als Ausrichter beworben.
Artikel erschienen am Mittwoch, 16. November 2005 © WELT.de 1995 - 2005






